Glitzerstaub und vitale Rhythmen

von Redaktion

Junge Kulturförderpreisträger werden in Hartmannsberg gefeiert

Bad Endorf – Kulturförderpreis – und dann? Die Kulturreferentin des Landkreises Rosenheim, Anke Hellmann, bemüht sich erfolgreich, den Preisträgern weiterhin hilfreich zur Seite zu stehen. Das ausverkaufte Konzert in Schloss Hartmannsberg mit Elisabeth Sinhart und Benno Panhans ließ das Publikum hautnah die unglaubliche Meisterschaft der beiden Protagonisten miterleben. Da waren wirklich die Besten ausgezeichnet worden, die nun ohne Zweifel auf dem Weg sind, flugs die Karriereleiter zu erklimmen!

Ein Doppelkonzert: Zunächst präsentierte sich Elisabeth Sinhart auf der Harfe. Ihr Programm bestand ausschließlich aus selbstkomponierten Stücken mit poetischen Titeln wie „Nebelschleier“, „Sommerregen“ oder „Glitzerstaub“.

Großes Kompliment: Der jungen Dame gelang es, statt beliebige Klangmuster zu bedienen (Harfe klingt ja immer schön!), ausgefeilte und formal perfekt gestaltete Miniaturen zu schaffen. Jedes der Charakterstücke hat sein eigenes Profil, erzählt eine eigene Geschichte; man hörte bis zum Schluss gespannt und mit gespitzten Ohren zu.

Charmant wusste Elisabeth Sinhart ihre Werke zu kommentieren. Ein Beispiel: Der Titel „Bye Bye“ hat einen autobiografischen Ursprung, denn die Großmutter, eine echte bayerische Bäuerin, verabschiedete ihre Enkel nicht mit „Pfüat di!“ oder „Servus“, sondern eben auf Englisch. Da ließ es sich die Komponistin nicht nehmen, dezent und sehr geschmackvoll auch Jazziges einfließen zu lassen…

Hätten Sie gewusst, dass beim Harfenspiel die kleinen Finger unbrauchbar sind? Zu klein und zu schwach! Elisabeth Sinhart konzertierte auch mit acht Fingern ebenso sensibel wie virtuos. Jubel und heftiger Beifall!

Nach der Pause stieg Benno Panhans in den „Ring“. Als dritter Mann spielt er schon seit Längerem in der weitum bekannten Gruppe „34u“, als Solist musiziert er wie ein ausgereifter Virtuose, den keine technischen Hürden in Angst und Schrecken versetzen. Die erstaunte Stimme einer Zuhörerin: Wissen Sie, wie alt der ist? 17 Jahr!

Sein Programm zeugte von einem weitgespannten Repertoire, von Bach über Scarlatti zu den Spaniern wie Isaac Albéniz oder Fernando Sor. Nicht zu vergessen den weltweit berühmtesten Tango-Komponisten Astor Piazolla. Johann Sebastian Bachs „Präludium, Fuge und Allegro“ fesselte vom ersten Ton an. Die Fuge erklang glasklar in ihrer polyphonen Struktur und doch geradezu locker musikantisch. Kontrastierend der Zeitgenosse Domenico Scarlatti – seine kurzen Sonaten sind quasi geistreiches, sprühendes und sehr bekömmliches Dessert.

In Albéniz‘ „Sevilla“ aus der Suite Espanola begab sich Benno Panhans ins virtuose Hochgebirge. Das Stück ist ein Feuerwerk an rasanter Rhythmik und farbigen Explosionen inklusive raffiniert-sinnlicher Innerlichkeit. Panhans ist Show-Gehabe fremd, jedoch spielt er mit Leidenschaft und legt die Nerven der Musik bloß. Verständlich, dass nun das Publikum mehr und mehr aus dem Häuschen geriet.

Erschütternd „Der Tod des Engels“ von Piazolla, das mit seinen stählern harten Akkordschlägen und der eindringlichen Melodik unter die Haut ging. Das „Gran Solo“ des noch in der Klassik wurzelnden Fernando Sor beschloss ein denkwürdiges Konzert – trotz der zwei Stunden empfand wohl niemand auch nur eine Sekunde als zu lang. Fast wie Pop-Größen wurden Elisabeth Sinhart und Benno Panhans frenetisch gefeiert. Mit Recht. Walther Prokop

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