Barocker musikalischer Glanz in Rott

von Redaktion

Concenti Musicali singt und spielt Musik aus der Feder des Wasserburger Domkapellmeisters Abraham Megerle

Rott – Wahren barocken Glanz versprühten Chor, Solisten und Orchester an Originalinstrumenten beziehungsweise Nachbauten unter der Leitung von Peter Adler in der barocken Pfarrkirche St. Marinus und Anianus in Rott. Das Programm: Ausschließlich Werke des in Wasserburg geborenen Komponisten und langjährigen Salzburger Domkapellmeisters Abraham Megerle (1607 bis 1680). Werke von ausnehmend barocker Schönheit, erhaben, edel, voller dynamischer Effekte.

„Festmusik für den Kaiserhof“, so war das Konzert überschrieben. Die Sonata a 7 und die Sonata Sancti Mauritii à 7 gelang Streichern, Trompeten, Posaunen, G-Violone, Laute und Orgel prächtig. Nicht minder ergreifend waren die Eia Tympana à 10 und die Litaniae Lauretanae à 9, bei denen Chor und Solisten hinzutraten. Höhepunkt war die Missa Solennis à 13 – wohl anläßlich der Hochzeit von Kaiser Leopold I. mit Claudia Felizitas in Graz 1673 komponiert. Lobpreisend das alternierend von Solisten und Chor dargebotene „Gloria et in terra pax“, wunderschön verdichtet das in Sekundenschritten aufsteigende flehende „Misere nobis“ und verherrlichend die Schlussfuge „cum Santo Spiritu in Gloria Dei patris.“ Ergreifend, wie Megerle im Credo die Kreuzigung mit hämmerndem Basso Continuo und Bass-Solisten darstellt, während kurz darauf Trompetenfanfaren die Auferstehung verkünden.

Beim Sanctus und beim Dona Nobis aus dem Agnus Dei waren es erneut die alternierenden Tuttipartien mit ariosen Abschnitten für einen oder mehrere Gesangssolisten, meistens unter Mitwirkung eines obligaten Instruments, die unter die Haut gingen. Das finale Regina Coeli à 7 war der Gottesmutter gewidmet, gekrönt von einem strahlendem Halleluja und mit dem „Salve Regina“ aus der Feder Megerles als Zugabe endend. Chapeau für alle Mitwirkenden: Brilliant die Streicher Johannes Frisch und Michele Petry. Christoph Brendel (G-Violone), Christoph Eglhuber (Theorbe) und Veronika Brass (Orgel) verzauberten mit ihrer Spielfreude. Die Grassauer Posaunisten um Wolfgang Diem sowie das Schwanthaler Trompetenconsort um Franz Landlinger glänzten mit sauberstem Ansatz, waren nie vordergründige Begleiter. Wunderbar die transparenten und glasklaren Sopran-Solistinnen Mirjam Striegl und Theresa von Bibra, einnehmend auch Altus Markus Forster und die beiden Bass-Solisten Jan Kuhar und Thomas Hamberger. Besonders gefiel der Tenor Daniel Schreiber mit angenehmem Timbre und Unangestrengtheit in allen Lagen. Auch der sehr gut einstudierte 20-köpfige Chor Concenti Musicali vermochte durchwegs zu begeistern. Dem Dirigenten Peter Adler gebührt dabei allerhöchstes Lob. Ihm ist die Wiederentdeckung und Rekonstruktion der Megerleschen Kompositionen, die zu einem großen Teil nur fragmentarisch erhalten sind und die Adler im Kloster Kremsmünster in Österreich, im Schloss Kremsier in Tschechien, in Wien und Ottobeuren „ausgrub“, zu verdanken. Im vergangenen Herbst wurde Adler mit der Bezirksmedaille des Bezirks Oberbayern für sein ehrenamtliches Engagement als Musiker, Sänger, Chorleiter und „Musikarchäologe für alte musikalische Schriften und Noten“ ausgezeichnet. Warum nicht auch der Kulturpreis des Landkreises? Concenti Musicali und sein Leiter Peter Adler hätten es glatt verdient.Eilsabeth Kirchner

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