Frasdorf – Die Münchner Philharmoniker haben es wieder getan: Trotz ungünstiger Wettervorhersage und Regenwetter haben sie – wie schon in den vergangenen Jahren – auf den Frasdorfer Almen aufgespielt. In kleiner Besetzung, in ungewöhnlichem Ambiente und mit einem außergewöhnlichen Programm.
Bianco Fiorito (Flöte) und Sonia Crisante (Harfe) luden zur italienischen Matinee auf die Rauchalm, Quirin Willert (Posaune) und ein Streichquartett – Iason Keramidis (Violine), Megumi Okaya (Violine), Gueli Kim (Viola) und Joachim Wohlgemuth (Cello) – spielten als „Blech & Strings“ auf der Schmiedalm.
Vom Kinderkonzert
bis zu Jazz-Musik
In der Stube der Hofalm widmeten sich Naoka Aoki (Violine) und Shizuka Mitsui (Cello) tschechischen, ungarischen und französischen Klängen. Im Tal gab es nachmittags ein Kinderkonzert mit Bianca Fiorito (Querflöte), Theresa Kling (Bratsche) und Alexander Weißkopf (Kontrabass). Gleichzeitig lockte das Fagott-Quartett (Romain Lucas, Adriana Goncalves, Johannes Hofbauer und Moritz Winker) und der Sommernachtstraum mit dem Ilona-Cudek-Jazz-Quartett.
Die Rezensentin entschied sich für die beiden letzteren. Zuerst also „FaGöttliches:“ Göttlich war es in der Tat. Vier Fagotte können mühelos ein Orchester ersetzen, wie sich bei der verspielten Ouvertüre „Le nozze di Figaro“ von Wolfgang Amadeus Mozart oder dem „doll dance“ von Nacio Herb Brown zeigte, können Singstimmen ersetzen – das Renaissance-Stück „Absolon, fili mi“ von Josquin des Prez war Meditation pur – und können Tierstimmen imitieren, wie bei „Pigs“ von Alan Ridout zu hören war. Fehlte nur noch die Einladung zum Tanz: Die es prompt mit „Foxtrott“ aus der Dance Suite von Geoffrey Keating und „Der letzte Tango in Bayreuth“ von Peter Schickele gab. Da wippten die Wanderschuhe im Takt. Astor Piazzollas „Oblivion“ und „Libertango“ luden zum Träumen ein.
Mit der Zugabe, eine bayrische Polka, im Ohr, wanderte man beschwingt und beglückt ob so viel Virtuosität auf dem Fagott weiter auf die Schmiedalm, wo Ilona Cudek (Violine) Enrique Ugarte (Akkordeon), Manfred Manhart (Piano) und Bernhard Seidel (Kontrabass) mit „Sommernachtstraum“ aufwarteten. Ein Wieder-Hören mit Astors Piazzollas „Oblivion,“ und doch „ein Traum“: Mit der außergewöhnlichen Besetzung – abgesehen von der sprichwörtlichen Spielfreude – bekam „Oblivion“ hier eine ganz eigene Note. Klassische Klänge aus dem „Concierto de Aranjuez“ mutierten im Laufe des Spiels zu jazzigem „Spain“ von Chick Corea. Bekannte Stücke wie der „Czardas“ von Vittorio Monti, das „Miss Marple Theme“ von Ron Goodwin oder „Bei mir bistu shein“ („Bei mir bist du schön“) animierten zum Mitwippen. „Un“ ernst ging es weiter: Ilona Cudek verwandelte sich in Marilyn Monroe und stimmte mit der Geige „I wanna be loved by you“ an. Da mussten selbst ihre Musikerkollegen lachen. Eine Wiederauferstehung durfte auch Elvis feiern mit „Love me Tender:“ Die Stimme war hier ein Luftballon. Dazu zog die Künstlerin die Öffnung eines Luftballons auseinander und ließ Luft aus – und als wäre das nicht schon verblüffend genug, fabrizierte Ilona Cudek die Melodie auf gleicher Tonhöhe wie das Akkordeon. Zum Finale erklang Maurice Ravels Bolero: Das Akkordeon fabrizierte 169-mal die sich wiederholende gleiche rhythmische Trommel-Figur mit den berühmten Triolen, auf dem sich die Melodien ausbreiteten, immer lauter, immer expressiver bis zum abrupten Abbruch auf dem Höhepunkt – das war Gänsehaut pur. Der Stallboden bebte vom begeisterten Fußgetrappel und Applaus. Ausdrucksstark und beschwingt endete das Konzert mit einer Milonga als Zugabe.
Außergewöhnliches
Programm
„Auf da Oim“ ist eine Konzertreihe, bei der Musiker mit einem außergewöhnlichen Programm aufwarten und ihr technisches und interpretatorisches Können an einem außergewöhnlichen Ort erklingen lassen. Derzeit gibt es keinen Münchner Konzertsaal, die Isarphilharomie gilt ja offiziell als Provisorium. Der Vorschlag des Fagottisten Johannes Hofbauer: „Vielleicht doch übersiedeln auf die Alm?!“, war zwar mit Augenzwinkern zu verstehen. Als kleine Konzertsäle taugten die Almen für das geneigte Publikum aus nah und fern allemal.