Sternstunden mit Bach-Kompositionen

von Redaktion

Concerto München unter der Leitung von Johannes Berger zu Gast in der Bernauer Kirche

Bernau – Eine Sternstunde war das Bach-Konzert in der Pfarrkirche St. Laurentius im Rahmen des Musiksommers zwischen Inn und Salzach. Auf dem Programm standen bekannte und doch selten aufgeführte Kleinodien von Johann Sebastian Bach und seinem Sohn Carl Philipp Emanuel – brillant und leidenschaftlich dargeboten vom Ensemble Concerto München unter Leitung von Organisten und Cembalisten Johannes Berger und den Solisten Bettina Simon (Barockoboe), Anderson Fiorelli (Cello) und Jonas Müller (Bariton).

An der großen Schmid-Orgel (27 Register auf drei Manualen und Pedal) gestaltete Johannes Berger die Bachsche Begegnung und adaptierende Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen italienischen Konzertmusik im allegro-Satz des Concerto a-Moll nach Antonio Vivaldi BWV 593 freudig und transparent zugleich. Hörenswert, wie sich Tutti und Solo abwechselten. Da brauchte es kein Orchester, da reichte die Orgel.

In Bachs Oboenkonzert F-Dur BWV 1053r, überzeugte Bettina Simon an der Barockoboe mit technisch differenziertem Spiel. Konzertant rasant, lyrisch fokussiert, nobel gerundet, reich und doch klar in der Verzierung, aber auch ernsthaft kammermusikalisch musizierend. Das Orchester, von Johannes Berger am Cembalo begleitet, gab den stupenden Begleiter. Kongenial stimmten auch beim nachfolgenden Cellokonzert a-Moll von Carl Philipp Emanuel Bach Orchester und Solist überein. Kein Wunder, ist doch der Solist Anderson Fiorelli auch Mitglied des Concerto München, das präsent und flexibel im Wechselspiel mit dem Solisten agierte. Fiorelli formte seinen Part in dichtester Fühlung mit dem Orchester, und doch bewahrte er sich klangliche Leichtigkeit, überzeugte in den virtuosen Spielfiguren und erreichte besonders in den Mittelsätzen einen innigen kantablen Ausdruck. Bei der Schlusskadenz im Andante hätte man eine Stecknadel fallen hören, so atemberaubende Stille herrschte.

Die Bachsche Kantate „Ich habe genug“, BWV 82, rundete das Konzert ab. Was für ein Höhepunkt. Das Orchester agierte beweglich, in den Phrasierungen sehr sprechend und in der Artikulation präzise. Die Barockoboe bereicherte mit ihrem warmen Klang den instrumentalen Klang von Streichern und Cembalo, trieb erst klagend, dann sanft und schließlich freudvoll den Bariton an. Und Jonas Müller, gerade einmal 26 Jahre alt, ließ sich auf dieses Spiel ein. Klangschön und technisch souverän bot Müller den oftmals befremdlichen Text („Ich habe genug… Ich freue mich auf meinen Tod…“) dar. Großartig, wie klar er selbst in den Verzierungen intonierte, da saß jeder Ton. Berührend, wie inniglich Müller in der „Schlummer-Arie“ das Schließen der matten Augen besang und – zusammen mit Orchester und Oboe – zu guter Letzt im fröhlichen Tanzrhythmus das nahende Ende feierte. Was für eine Reife! Schwere Worte, eingehüllt in wunderschöne Musik, die Hoffnung verhieß. Das Publikum feierte diese Sternstunde mit frenetischem Beifall. Und verließ mit dem flotten 3/8-Takt des finalen Satzes „Ich freue mich auf meinen Tod“ im Ohr beschwingt die Kirche.Elisabeth Kirchner

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