Gefahr für den bairischen Zwielaut oa – nicht nur im Ortsnamen?

von Redaktion

„Oans, zwoa, gsuffa“, heißt es in der ersten Zeile des wohl weltweit bekannten Trinklieds „In München steht ein Hofbräuhaus“. Komponist Wilhelm Gabriel aus Berlin und Texter Klaus Siegfried Richter aus Hindelang im Allgäu haben wahrscheinlich nicht ohne Absicht darauf verzichtet, nach „zwoa“ die nächste Zahl zu bringen. Denn vielleicht auch 1936 schon gab es – und gibt es für die Zuagroasten bis zum heutigen Tag – das sprachliche Problem, ob die Zahl 3 im Bairischen beziehungsweise Boarischen „drei“ oder „droa“ lautet! Oder war der nichtbairische Autor selber nicht ganz sicher, wie das heißt?

Die Sprachwissenschaftler Werner König und Manfred Renn behaupten in ihrem Standardwerk „Kleiner Bayerischer Sprachatlas“, die Lautung /oa/ gelte „als das prominenteste lautliche Kennzeichen des Bairischen, obwohl es nicht überall im bairischen Sprachraum gilt und andererseits auch in anderen Dialekten, so zum Beispiel im Westschwäbischen (westlich von Tübingen), (…), verbreitet ist“.

Tatsächlich ist die Aussprache von /oa/ an sich nicht das große Problem. Das kriegen bairische und nichtbairische Schulkinder schon im Französischunterricht gut hin, wenn sie „un, deux, trois (= troa)“ lernen. Erst kürzlich war in allen deutschsprachigen Medien vom „Finale dahoam“ die Rede. Das Problem lautet vielmehr: Wann heißt es /ei/, wann heißt es /oa/?

Werner König und Manfred Renn schreiben zu dieser Fragestellung: „In der neuhochdeutschen Schriftsprache sind mittelhochdeutsch î (wir ergänzen: langes i, wie in drî zu drei) und e i in der Schreibung <ei> zusammengefallen (…), aber in keinem einzigen deutschen Dialekt. Bis ins 16. Jahrhundert werden die beiden etymologischen Gruppen in bairischen Texten auch auseinandergehalten: <ei> oder <ey> für mittelhochdeutsch î, <ai> oder <ay> für mittelhochdeutsch ei“ und, natürlich, für bairisch: oa. Was für ein schönes Plädoyer, unsere Kinder nicht nur im Schriftdeutschen, sondern auch im bairischen Dialekt zu erziehen!

Aber schade um die alte Schreibung <ai>: Mit ihr hätten wir keine Schwierigkeit, /ei/ und /oa/ auseinanderzuhalten. Sie wurde weitgehend abgeschafft, bis auf Reste wie „Rain“ oder „Laib“, „Roa“ oder „Loab“.

Aber: Wir haben <ai> noch in Ortsnamen. Bad Aibling und Aising einerseits, Greimharting und Eisenbartling andererseits: oa und ei klar verteilt, wobei z Oawen aber immer mehr „Bad Eibling“ zu hören ist. Ist das /oa/ nicht mehr fein genug?

Und: Die <ei> und <ai> Schreibung ist eh nicht konsequent genug: Mailling in der Gemeinde Tuntenhausen wird nicht regelgerecht mit /oa/, sondern mit /ei/ gesprochen, wegen des mittelhochdeutschen Personennamens Milo mit langem i. Sollten wir daher die Schreibung <Meiling> empfehlen? Muaß ned sei: Anfragen zur Aussprache am besten an „Vo Ort zu Ort“!Armin Höfer

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