Vom ZDF-Traumschiff an den Inn

von Redaktion

Er ist eine TV-Legende– und trotzdem froh, dass er der „Fernseh-Mühle“ entkommen ist: Harald Schmidt, Late-Night-Talker, ZDF-Traumschiff-Star und Satiriker, tut beruflich nur noch, was ihm Spaß macht. Das ist auch der Grund, warum er in Wasserburg auftritt. Ein Gespräch über Karriere, Florian Silbereisen, Podcasts und die Deutsche Bahn.

Wasserburg – Er ruft, wie verabredet, Punkt 16 Uhr an, von daheim in Köln: Harald Schmidt wirkt im Gespräch entspannt, gut gelaunt, mit sich selbst im Reinen. Der Mann hat einen großen Namen: Harald Schmidt ist eine TV-Legende, berühmt geworden vor allem durch seine bissige Late-Night-Talkshow.

Heute, nach 40 Jahren als Schauspieler, Moderator und Entertainer, kann er es sich leisten, nur noch das zu tun, was ihm großen Spaß bereitet: also auf der Bühne stehen wie aktuell bei der Operette „Zum Weißen Rössl“ an der Volksoper in Wien oder als Kabarettist im Bürgersaal in Oberhaching. Zwischen diese beiden Auftritten kommt der 67-Jährige am Samstag (28. Juni) nach Wasserburg, zu einem Liederabend im Rahmen des Klaviersommers.

„Dirty Harry“ ist
eigentlich sehr nett

Seinem Ruf als „Dirty Harry“ wird er im Exklusiv-Gespräch mit der Redaktion nicht gerecht. Im Gegenteil: Er redet offen und eloquent über seine abwechslungsreiche Karriere und das berufliche Leben nach der Harald-Schmidt-Show.

Hier war bitterböser Humor sein Markenzeichen. Da verwundert es sehr, dass er mit so großer Begeisterung derzeit auf der Operetten-Bühne in Wien steht. Und immer noch in einem „Feel-Good-Format“ wie dem ZDF-Traumschiff den Kreuzfahrtdirektor mimt. Doch Harald Schmidt mag sich nicht in Schubladen stecken lassen. Oder sich auf Genres festlegen. Er mache, was ihm Spaß bereite. Und der komme automatisch, „wenn ich mit Leuten zu tun habe, mit denen ich gerne zusammenarbeite, weil sie Vollprofis sind.“

Eine solche Könnerin ist Rita Kaufmann, Ehefrau des Klaviersommer-Gründers Klaus Kaufmann, der die Veranstaltungsreihe rund um das Piano in Wasserburg ins Leben rief. Rita Kaufmann ist eine bekannte Pianistin, mit der Harald Schmidt an der Staatsoper Stuttgart auftrat. „Eine herausragende Künstlerin“, sagt Harald Schmidt. Und da er noch nie in Wasserburg am Inn war und gerne neue Orte kennenlernt, sagte er Rita Kaufmanns Ehemann spontan zu, beim Klaviersommer in der Innstadt mitzuwirken.

Mit ZDF-Traumschiff
auf Reisen

Wasserburg ist für den Weltenbummler einer der wenigen Orte, die er noch nicht aufgesucht hat. Denn Harald Schmidt tourt auch als Kreuzfahrtdirektor mit dem ZDF-Traumschiff durch die Welt. Ein- bis zweimal im Jahr geht er für die Dreharbeiten an Bord. Dort spielt Florian Silbereisen die Rolle des Traumschiff-Kapitäns. Silbereisen sei ein „Vollprofi“, „mit dem man sehr gut zusammenarbeiten kann“, sagt Harald Schmidt.

Die Serie, deren Teilnahme er mit dem ZDF per Handschlag ausgemacht habe, gefalle ihm aus zwei Gründen sehr gut. „Ich kann meinen Hauptberuf als Schauspieler ausüben und sehe tolle Länder.“ Am besten hat ihm die Aitutaki-Lagune auf Neuseeland gefallen, „noch mehr als die Bahamas“. Die schönsten Strände biete die Südsee, doch es sei auch ein unvergesslicher Moment gewesen, als das Traumschiff in New York eingelaufen sei.

Während Harald Schmidt im ZDF auf dem Kreuzfahrtschiff unterwegs ist, reist er privat grundsätzlich mit dem Zug, berichtet er. Und hat bisher erstaunlicherweise kaum schlechte Erfahrungen gemacht. „Am allgemeinen Geschimpfe über die Deutsche Bahn kann ich mich nicht beteiligen“, sagt er. Mal wieder tut er nicht das, was erwartet wird, obwohl die DB für Satiriker so manche Steilvorlage bietet. Doch derzeit mag Harald Schmidt eher andere Rollen als jene des Kabarettisten. Beim Wasserburger Klaviersommer wird er Gedichte rezitieren, zu denen Vertonungen vorgetragen werden. Der Klassiker, „Der Erlkönig“ von Goethe, gehört dazu. Er kann die Ballade fast ganz auswendig, „ich bin auf Anhieb relativ weit gekommen“, berichtet er schmunzelnd. Das habe jedoch einen Grund: Den „Erlkönig“ habe er schon einmal vor der TV-Kamera präsentiert: gemeinsam mit seinem Show-Partner, dem unvergesslichen Herbert Feuerstein, und dem ebenso unvergesslichen Musiker Udo Jürgens.

Eins wird Harald Schmidt in Wasserburg jedoch nicht tun: Im Rahmen des Klaviersommers selber in die Tasten greifen. Er habe das Klavierspielen zwar gelernt, die C-Prüfung abgelegt, sei außerdem Organist. „Doch ich spiele nur daheim. Ich setzte öffentlich nicht einmal mehr meine Finger auf die Tasten, angesichts der absoluten Könner, die beim Klaviersommer auftreten“, sagt er. Das Rezitieren von Gedichten dagegen ist für Harald Schmidt kein neues Terrain. Auch im Dom zu Speyer ist er schon einmal in einem ähnlichen Format wie beim Wasserburger Klaviersommer aufgetreten. Damals standen Hölderlin-Werke und Vertonungen auf dem Programm.

Podcast „Raus
aus der Depression“

Vom Dom zu Speyer in den Festsaal zu Gabersee: Letzterer bietet natürlich ein anderes Ambiente. Doch auch das passt, denn der Konzertraum gehört zum kbo-Inn-Salzach-Klinikum, eines der größten Fachkliniken für psychische Erkrankungen in Deutschland. Im Fokus steht hier auch die Behandlung und Therapie der Volkskrankheit Depression.

Seit zwölf Jahren ist Harald Schmidt Schirmherr der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Und als solcher Gastgeber eines Podcasts „Raus aus der Depression“. Hier talkt er mit Betroffenen, Angehörigen und Experten. Selber nicht betroffen, liegt ihm die Arbeit der Stiftung trotzdem sehr am Herzen, wie er sagt. Es gehe darum, Vorurteile gegenüber der psychischen Erkrankungen aufzubrechen.

Dabei helfen auch Prominente wie die Kabarettisten Hazel Brugger und Thorsten Sträter. Sie sind betroffen. Harald Schmidt legt Wert auf die Feststellung, dass er trotz seiner Podcast-Tätigkeit kein Depression-Experte ist. „Nur mir fallen Schnittmengen auf: Viele Betroffene sagen, sie hätten sich viel früher Hilfe holen sollen, viele haben ihre Vorurteile gegenüber Medikamenten über Bord geworfen. Und es scheint so, dass ein klar geregelter Tagesablauf mit festen Strukturen hilfreich ist.“

Es waren 40
spannende Jahre

Harald Schmidt ist gerne Podcaster, die sozialen Medien als Kommunikationsplattform lehnt er für sich jedoch ab. „Mich finden Sie nirgends, weder auf Facebook noch auf Instagram“, sagt er. Doch er räumt ein, dass es für Newcomer auf der Bühne heutzutage schwer ist, ohne diese Präsentationschancen im Netz bekannt zu werden. Nach 40 Jahren als Schauspieler, Moderator und Satiriker sowie Talker habe er sich einen Namen gemacht, der bis heute nachwirke, freut sich Harald Schmidt. Seine Talksendungen sind auf Youtube zu sehen und werden immer noch gerne angeschaut, berichtet er stolz. „Es waren spannende 40 Jahre, aber es war oft auch hart. Ich hatte auch schwierige Phasen, habe mich jedoch nicht frustrieren lassen und immer weitergemacht.“

Eine Rolle wird er jedoch nicht noch einmal übernehmen: die des Late-Night-Talkmasters. „Das Kapitel ist definitiv für mich abgeschlossen“, sagt er. Er genieße es sehr, dieser „Fernseh-Mühle“ entkommen zu sein. „Es gibt keinen Blick mehr auf Einschaltquoten, keinen Redakteur mehr, der ängstlich ist“, bringt er es auf den Punkt. Jetzt mache er vor allem Theater. „Wer mich sehen will, der kommt, wer nicht, bleibt zu Hause. Wenn es zum Schluss ordentlich Applaus gibt, hat es gepasst. Punkt.“

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