Nußdorf – Ganz verwunschen liegt das große Atelier des Glaskünstlers Florian Lechner in Urstall/Nußdorf. Dorthin hatte er das Catacoustic Consort eingeladen. Annalisa Pappano, die Gründerin und Leiterin dieses Ensembles, kam mit drei verschiedenen Gamben, darunter auch der kleinen Pardessus de Viole, dem Nesthäkchen der Gambenfamilie, Eva Fürtinger spielte Blockflöte, Gambe und Cembalo und Claudia Molon gleich sieben verschieden große Blockflöten. Florian Lechner sprach in seiner Begrüßung von der „Verbindung vieler Schwingungen“, ob instrumentale, menschliche oder auch Schwingungen der vielen Kunstwerke aus Glas, die das Atelier füllen. Und er erzählte sehr lebendig von seinen hochmusikalischen Eltern: Irmgard Lechner (1907 bis 1999) war Meisterin auf dem Cembalo, Konrad Lechner (1911 bis 1989) war Multi-Instrumentalist und Dirigent, leitete 1939 den Münchner Bachverein, lehrte Musikgeschichte in Freiburg, Darmstadt, Frankfurt und am Mozarteum Salzburg, wo er das Collegium musicum, den Madrigalchor sowie das Universitätsorchester und den Universitätschor leitete. Dazu war er einer der wesentlichen Wiederentdecker der Alten Musik – und er komponierte. Deshalb standen Werke von ihm auf dem Programm. In der Sammlung „Traum und Tag“ antwortet er auf Stücke alter Musik von William Byrd, Orlando Gibbon und Adam de la Halle, führt diese weiter und spitzt sie modern zu. Manchmal klang ein altes Stück moderner als das moderne. Claudia Molon blies ihre Flöten hier übersprudelnd, ausdrucksstark und mit tänzerischer Präzision: Verbindung von alter und moderner Musik.
Auch die von Lechner modern komponierten Stücke für Flöte und Gamben wirkten in ihrer Kirchentonalität inspiriert von der alten Musik: Weitausschwingend und tanzlustig, dann sich musikalisch umwandernd, umarmend und umtanzend waren zwei Flöten-Duette, und so modern wie alt klang die Gambenmusik: Da waren es nur wenige Schritte zu der Musik des Renaissance-Komponisten Leonhard Lechner: Verbindungen, wohin man hört.
Die Gambenklänge von Annalisa Pappano und Eva Fürtinger waren so fein-fragil wie feinnervig-stabil: Fragile Klänge in einem Haus mit lauter fragilen Glaskunstwerken. RAINER W. JANKA