Bruckmühl – Wer kennt sie nicht, diese Melodie? Mit Zither und Geige gespielt ist sie die Kennmelodie der Fernseh-Reihe „Unter unserem Himmel“. Generationen von Volksmusikfreunden erfahren hier Heimatliches in Brauch, Essen, Natur, von Personen und Vereinen – aber auch aus der Volksmusikpflege.
„Vorgesungen von Treichl Lois und Vögele Karl, Oberaudorf“ – so schreibt Kiem Pauli (1882 bis 1960) in seiner „Sammlung Oberbayrischer Volkslieder“ (München 1934) zu diesem Lied, das wir hier in seiner Handschrift zweistimmig notiert mit Gitarrenbegleitung sehen: „1. Üba d‘Alma, da gibts Kalma, da gibts weixlbraune Küah, ja – und i geh da net eini, i kunnt schwarz wern von dir. (Jodler); 2. Aba Jaga, i sag dirs, wannst vorbei gehst, kehrst zua ja, wann du glaubn tuast, daß i schlaf, na schmeißt a Stoanal aufi auf mei Dach. (Jodler); 3. Und es trupfezt da Schottn, und i hör an Almglockn, und es juchazt mei Buascho üba d‘Alma daherzua. (Jodler); 4. Und‘s Dianal hat gschlafn, hat den Stoa überherscht ja, und wias munta is worn, na hats halt gjammerscht und grerscht.“
Dieses almerische Liebeslied ist bis heute in der oberbayerisch-alpenländischen Volksliedpflege bekannt: Die Almerin hat den jagerischen Buam ganz offensichtlich zu sich in die Hütte eingeladen – wann immer er kommen mag. Nach der schweren Arbeit auf der Alm geht sie täglich früh schlafen und überhört das Stoandl, mit dem der junge Jäger auf sein Kommen aufmerksam macht – leider.
Bei diesem Lied, das die beiden Oberaudorfer Sänger Lois Treichl (1893 bis 1967) und Karl Vögele (1905 bis 1971) gesungen haben, ist der Einfluss aus Tirol übers Inntal zu erahnen. Die beiden haben dem Kiem Pauli noch weitere Lieder vorgesungen oder von ihm übernommen, zum Beispiel „Hat scho oans gschlagn“.
Auf seinen Sammelfahrten von Bad Kreuth aus in die Orte im südlichen Oberbayern von Werdenfels bis ins Berchtesgadener Land hat Kiem Pauli in den 1920er Jahren unzählige Menschen getroffen, die ihm ihre persönlichen Lieder anvertraut haben. Da sind hunderte von Gesängen und Liedtexten aus alten Handschriften oder mündlicher Überlieferung zusammengekommen – Lieder, die auch das Leben beschrieben hat. Manche dieser Gesänge hat der Kiem Pauli auch in der Region Rosenheim gesammelt, wo er viele Bekannte hatte: im Mangfalltal, im Inntal, am Samerberg, in Riedering oder im Chiemgau. Der „Förderverein Volksmusik Oberbayern“ (83052 Bruckmühl, Pfarrweg 11, Telefon 08062/8078307, ernst.schusser@heimatpfleger.bayern) hat es sich zur Aufgabe gesetzt, die von Kiem Pauli zusammengetragenen lokal und regional bekannten Lieder aus der Zeit vor 100 Jahren wieder lebendig werden zu lassen – sind sie doch ein wesentlicher Teil unserer Heimatkultur und der Menschen. ernst schusser