Wasserburg – Weil der populäre Fernsehmoderator Harald Schmidt angekündigt war, wurde wegen des Publikumansturms vor der Abendveranstaltung zusätzlich eine am Nachmittag angeboten. Auf dem Programm des Wasserburger Musiksommers im Festsaal des Inn-Salzach-Klinikums Gabersee stand ein Liederabend mit Vertonungen von Goethe-Gedichten. Eine originelle Idee war, dass das Publikum von jedem Gedicht drei Vertonungen verschiedener Komponistinnen hören durfte, die aber nicht genannt wurden. Auf einem beiliegenden Blatt musste man notieren, welche drei Vertonungen einem am besten gefallen haben.
Augenzwinkernde Moderation
Harald Schmidt führte zunächst ohne Mikrofon gewohnt sprunghaft und kalauernd durch das Programm. „Wundern Sie sich nicht, dass Sie mich nicht verstehen, das hat inhaltliche Gründe“, behauptete Schmidt, der dann auf Bitten aus dem Publikum lauter, deutlicher und langsamer sprach. „Nur wenige wissen, dass Goethe auch gedichtet hat“, so Schmidt augenzwinkernd. Die Auswahl der Vertonungen durch das Publikum verglich er mit der Kindersendung „Eins, zwei oder drei“ von Michael Schanze.
Schmidt stellte jeweils ein Goethe-Gedicht vor, das dann von Sopranistin Diana Haller oder Bassbariton Wilhelm Schwinghammer zur Klavierbegleitung von Rita Kaufmann in drei Vertonungen dargeboten wurde. Schade, dass Schmidt die Gedichte oft ohne viel Einfühlung ablas und nicht frei vortrug. Zu Herzen ging die Schubert-Vertonung „Gretchen am Spinnrad“, die Diana Haller in Stimme und Gestik ausdrucksvoll zu Gehör brachte, innig und ergreifend war die dritte Fassung von Adolf Lorenz, die, wie sich am Ende herausstellte, dem Publikum am besten gefiel. Düster und dramatisch sang Wilhelm Schwinghammer, den Schmidt konfus mit dem Vornamen „Georg“ vorstellte, die Liszt-Vertonung von „Kennst Du das Land, wo die Zitronen blühen?“. „Ich dachte gerade an Stefan George und seine drei Kinder“, blödelte der Entertainer, um die Namensverwechslung zu entschuldigen. Als Schwinghammer leise mit der Pianistin tuschelte, stellte Schmidt fest: „Kunst bleibt auch was Geheimnisvolles.“
Melodisch zart und innig waren die drei Fassungen von „Nur wer die Sehnsucht kennt“ , darunter die von Tschaikowsky. Es verwunderte nicht, dass am Ende die Schubert-Vertonung des „Erlkönig“ am besten ankam. Von Rita Kaufmann mit wuchtigen Akkorden ausdrucksstark begleitet, gelang Schwinghammer eine mitreißende Interpretation von Goethes wohl berühmtester Ballade.
„Unterstützt vom ARD-Wahlstudio“
Als nach einer kurzen Pause „unterstützt vom ARD-Wahlstudio“ (Schmidt) das Ergebnis der Publikumswahl bekannt gegeben wurde, staunte man nicht schlecht über die Nennung bisher gänzlich unbekannter Komponisten. Für die skurrile Mischung aus Goethe-Gedichten, ihren Vertonungen und der humoristischen Umrahmung von Harald Schmidt spendete das Publikum anhaltenden Applaus.