Vogtareuth – Alfred Regnat ist tot. Wie erst jetzt bekannt wurde, ist der renommierte Bildhauer Anfang Juni im Alter von 83 Jahren gestorben.
Regnat, 1942 in Ruhpolding als jüngstes von fünf Kindern geboren, verbrachte in der Nachkriegszeit einen Teil seiner Kindheit auf der Alm, wo er die Natur, die Tiere und das Wasser am Trog und in den Bächen zu schätzen lernte. Diese Vorliebe zum Wasser kam in späteren Berufsjahren in vielerlei Hinsicht seinen Brunnengestaltungen in Stein und Bronze zugute.
Von Kindheit an schaute er dem Bildhauer Andreas Schwarzkopf, einem Freund seines Vaters, der Kunstschmiedemeister war, gerne beim Arbeiten zu. So entstand in ihm der Wunsch, nach seiner Schulzeit bei Schwarzkopf eine dreijährige Lehre zu beginnen. Bei ihm lernte er alle klassischen Materialien der Bildhauerei kennen und bearbeiten, also Ton, Gips, Holz, Bronze und Stein.
Danach begann er an der Münchner Akademie der Bildenden Künste das Studium der Bildhauerei. Er studierte zwölf Semester bei Professor Josef Henselmann und schloss sein Studium als sein Meisterschüler mit dem Diplom ab. Im dritten Semester hatte er seine Studienkollegin Inge Regnat-Ulner kennengelernt. 1967 heirateten die beiden.
Im Anschluss als freiberuflicher Bildhauer zu arbeiten, wurde von Monsignore Friesinger in Ruhpolding sehr unterstützt. Er beauftragte Alfred Regnat, seinen ersten Brunnen für das dortige Pfarrzentrum zu machen. Es wurde ein St.-Franziskus-Brunnen. Eine Variante schloss sich in einer Klosterniederlassung der Mallersdorfer Schwestern in Südafrika an.
Zunächst in München lebend, zog es das Ehepaar auf das Land. In der Gemeinde Vogtareuth fanden die beiden Künstler ein neues Zuhause mit Raum und Platz für Atelier und Werkstatt.
Dort entstanden in vielen Jahren auch ein Skulpturengarten und ein Galerie-Haus, in dem gezeigt wird, wie man Skulpturen Büschen und Bäumen zuordnen kann, und wie man mit Kunst an Wänden und auf Sockeln im Hausinneren leben kann.
Gemeinsam mit seiner Frau arbeitete Regnat als freischaffender Künstler im Team zusammen, vorwiegend an architekturbezogenen Projekten, sei es in Form von Direktaufträgen oder durch Wettbewerbsgewinne. So entstanden Brunnen in vielen Variationen in Stein und Bronze, Kircheninnenräume, Mosaike und Kirchenfenster, Raum- und Platzgestaltungen mit großen Holz-Reliefs und Skulpturen, meistens in Bayern und Baden-Württemberg.
In Rosenheim befinden sich unter anderem am Kuko der Bronze-Brunnen „Equilibre“, am Ignaz-Günther-Gymnasium die Brunnen-Skulptur „Wasserlandschaft“, der Apotheker-Stein und die „Gedrehte Stele“ im Salingarten sowie der Gabbro-Stein-Kubus mit Lichtlinie auf dem ehemaligen Gelände der Gartenschau. Seine letzte Arbeit wurde im vergangenen Jahr auf dem neuen Dorfplatz in Vogtareuth aufgestellt, ein Trinkbrunnen aus Rosso Diago.
Parallel aber folgte Alfred Regnat eigener Entwicklung in der autonomen Kunst. Für ihn waren es die großen und kleinen Sockel-Skulpturen, die Stein-Reliefs, die Ring-Skulpturen in Verbindung mit Bronze und besonders hervorzuheben – die Gruppe der Bambus-Stelen in Stein/Diabas. Es war die besondere Liebe zu den harten Steinen und es gelang ihm, diese Steine so zu gestalten, dass man immer das Bedürfnis verspürte, sie anzufassen.
Diese autonome Kunst fand in vielen Ausstellungen, im In- und Ausland sowie in Sammlungen Anerkennung. Er war in Bayern ein anerkannter Bildhauer der minimal-konkreten Kunst – außerdem Mitglied im Haus der Kunst in München, dem Kunstverein Rosenheim und der Münchener Secession.
Alfred Regnat ist nun gegangen und wurde in einem kleineren Kreis von Familie und Freunden an einem Sommertag mit Musik an seinem Wohnort beigesetzt. Seine Werke bleiben.