Prien – Markus Lüpertz, Gerhard Richter, Imi Knoebel, Heinz Mack, Julian Schnabel, Jeff Koons, Günther Uecker, Damien Hirst, Tony Cragg und und und: Die Liste der diesjährigen teilnehmenden Künstler bei der Art Chiemsee 2025 in der Galerie im Alten Priener Rathaus liest sich wie das Who is Who zeitgenössischer Kunst.
Mit „Sommerfrische der besonderen Art und Kunst am schönen Ort“ haben die Kuratoren Inge Fricke und Nico Overkott die Ausstellung „Art Chiemsee“ überschrieben. Schon vor zwei Jahren gab es eine „Art Chiemsee“, und auch heuer kooperieren die Marktgemeinde Prien und der Kulturförderverein Prien wieder mit der Düsseldorfer Galerie Geuer & Geuer.
Überquellende Themenvielfalt
Schon im Eingangsbereich wird klar, dass der Besuch der Ausstellung kein klassischer Rundgang werden wird. Vielmehr taucht man ein in eine lebendige, kraftvolle Kunstlandschaft, in der jeder Künstler seinen eigenen Stil, von Malerei über digitale Kunst bis hin zu Skulpturen, seine eigene Handschrift, seine Gedanken präsentieren darf. Eine Kunstlandschaft, bestehend aus 50 Jahren Kunstgeschichte, vor Themen nur so überquellend. Da locken Fantasiewelten mit Ölbildern von Dietmar Brixy, die wie mit dem Finger gemalt wirken und doch ob ihrer Farbschönheit in fremde Welten entführen.
Konkreter wirken die mattfarbigen und auf seidigem Hintergrund digital übermalten Landschaften von Dieter Nuhr: Da wähnt man sich in Island, da in Venedig. Und dort ziehen einen Flusslandschaften in Schwarz-Weiß von Stephan Kaluza in den Bann. Ein vermeintliches Idyll, die Flusslandschaft bei Auschwitz, wäre da nicht die Bedeutungsschwere des Ortes. Der Mensch an sich darf natürlich auch nicht zu kurz kommen, seine Schönheit (wie die Porträts von Stefan Szczenys Frau), sein Charakter (wie der Harlekin von Markus Lüpertz) und/oder seine Verletzlichkeit. Gottfried Helnweins fotografische Gemälde berühmter älterer Musiker wie Keith Richard und Michael Jackson muten beinahe intim an, verstörend hingegen das Bildnis eines jungen Mädchens mit Maschinengewehr in der Hand.
Kunst, das wird spätestens an der Stelle klar, will eine Botschaft vermitteln, will zum Nachdenken anregen. Sei es mit deutsch-deutscher Geschichte (Werke von Jörg Immendorff und A.R. Penck), mit mystischen Themen, wie der Holzschnitt „Athene“ von Markus Lüpertz oder die Öl- und Bleistift-Malereien mit Wolf im Mittelpunkt von Igor Oleinikov, die auf ihre ruhige Art ansprechen, oder mit ihrer Experimentierfreude.
Die knallbunten Farben auf den Seifenblasen-Bildern von Jiri Dokoupil sind schrill, sind gewagt – und doch wahrlich ein Hingucker. Kontemplativ gibt sich der Raum mit Günther Ueckers Friedensgeboten, das ist machtvolle Ästhetik in Schwarz-Weiß. Mehr Licht, mehr Farbe verwendet Heinz Mack, und dennoch möchte man hier lange verweilen, sich in Macks gegenstandslose Arbeiten versenken. Damien Hirsts Lackbilder mit Blumenlandschaften – die an Julius Exters Bauerngärten gemahnen – sind da beinahe plakativer, reizvoller Kontrast.
Felix Giesens Gemälde im Treppenhaus wirkt mit seiner Grundierung in Hasenleim wie ein Gemälde alter Meister und entfaltet eine kraftvolle Intensität. Die sich noch intensiviert, wenn man es mit QR-Code beleuchtet. Analoge Kunst trifft hier auf digitale Kunst. Im sogenannten „Spaß-Raum“ liegt der rote Diamant von Jeff Koons, hängen dreidimensionale poppig-bunte Objekte wie „Tea for two“ von David Gerstein und Collagen aus bunten Schmetterlingen gefertigte 3D-Pop-up-Art-Bilder wie „Maoam“ von Ben Buechner.
Wie ein Relikt der Frühzeit
Bernar Venet hat aus Aluminium gegossene und handbemalte Ringe auseinandergeschnitten und wie zufällig zusammenfallen lassen, während eine tönerne Skulptur von Tony Cragg beinahe wie ein Relikt aus der Frühzeit anmutet. In St. Tropez wähnt man sich ob der Farben bei den Werken von Stefan Szczesny, dessen Kunst positives Denken vermittelt.
Dieser nicht einmal vollständig beschriebene Rundgang klingt wie ein wildes Potpourri an zeitgenössischer Kunst, und ist doch eine Ausstellung, die nicht nur höchste künstlerische Qualität präsentiert, sondern auch Barrieren abbauen möchte. Eine Ausstellung, die eine enorme Bandbreite an künstlerischen Positionen, Konzepten, Ideen und Bildsprachen vereint. Zeitgenössische Kunst, der man an einem schönen Ort begegnet und die Sommerfrische der besonderen Art bietet.