Der Weltuntergang als Chorgesang

von Redaktion

Wasserburger Theatertage Theater 5 aus Fürstenfeldbruck macht mit „Und alle Tiere rufen“ das Artensterben zum Thema

Wasserburg – Ein apokalyptisches Szenario zum Aussterben der Tierwelt und den Untergang der Menschheit sorgte bei den Theatertagen für hohe emotionale Anspannung, die zwischen Beunruhigung und Begeisterung hin und her pendelte.

Thomas Köck skizziert in seinem poetisch-dystopischen Text „Und alle Tiere rufen“ das globale Artensterben. Er identifiziert den Kapitalismus und die Entfremdung des Menschen von der Natur als Hauptursachen der ökologischen Krise. In einer fragmentarischen und exaltierten Sprache kommen darin Stimmen aus der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft zu Wort – darunter Tiere, Menschen und mythische Figuren. Die Tiere werden zu Anklägern; durch sie wird der Weltuntergang zum Chorgesang, während der Mensch weiterhin als Zerstörer erscheint. Was bleibt, ist ein beunruhigendes Szenario, dass sich auch die Menschheit wie schon vor ihr die Dinosaurier des Erdmittelalters durch die Zerstörung des ökologischen Gleichgewichts auf ihr Ende auf dem Planeten einstellen muss.

Thomas Köck, Jahrgang 1986, stammt aus Steyr in Oberösterreich. Für seine Theatertexte wurde Köck mehrfach ausgezeichnet. Er erhielt unter anderem den Literaturpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft und den Deutschen Hörspielpreis der ARD. Christoph Leibold, seines Zeichens Moderator, Redakteur und Theaterkritiker, inszenierte das Stück, „das kein Theaterstück ist!“ So zumindest lautete die viele Male wiederholte zentrale Botschaft des Autors in seinem Requiem vom Artensterben, wohl auch um die reale Bedrohung für den Fortbestand der Welt überdeutlich vor Augen zu führen.

Ein Theaterstück aber war es dann doch, was den ambitionierten, vorwiegend sehr jungen Darstellerinnen zu verdanken war. Emilia Giesler ist 16 Jahre alt, Lotta Leibold 18 und Sanna Morgenroth ist 20. Nachhaltigkeits- und Umweltaktivistin Aline Pronnet (33) komplettierte das Ensemble und verlieh dem Spiel zusätzliche Authentizität und Aktualität. „Tipping Point“ (Umkipppunkt), Klimawandel und „Zero Waste“ (kein Müll, keine Verschwendung) waren dann auch oft genannte Begriffe.

Was folgte war ein bilderreicher Querschnitt durch das real existente Ausmaß des Artensterbens als Bedrohung unserer Zeit. So dauerte die Ausrottung der Stellerschen Seekuh gerade einmal 27 Jahre nach ihrer Entdeckung. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen, vom Nasenkänguru bis zum Quagga, einer durch reine Trophäenlust ausgerottete Zebraart. Zu den Bildern gab es Musik. Dissonante Klanggemälde wechselten sich mit bekannten Stücken, die von den Akteurinnen mit Orgel, Schlagzeug, Saxofon, E-Gitarre und Ukulele gespielt wurden.

Bettina Wegners „Umweltlied“ aus dem Jahr 1980 wurde am Ende per Video eingespielt. Heute, im Jahr 2025, ist es die poetische Warnung und zugleich apokalyptische Vorahnung der kommenden Krisen durch den Raubbau an der Natur und der Zukunft schlechthin.

Ob allerdings die Abschaffung des Kapitalismus, wie im Stück vielfach formuliert und von radikalen Umweltschutzbewegungen wie „Extinction Rebellion“ gefordert, die Umkehr bewirken wird, erscheint wohl eher fraglich.Wolfgang Janeczka

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