Gebirgsidylle und industrielle Milchproduktion

Zahlreiche Helfer unterstützten zwei Tage lang den Aufbau der Skulptur „milk made land“ des Traunsteiner Konzeptkünstlers Helmut Mühlbacher.Foto  effner

Zahlreiche Helfer unterstützten zwei Tage lang den Aufbau der Skulptur „milk made land“ des Traunsteiner Konzeptkünstlers Helmut Mühlbacher.Foto effner

Helmut Mühlbachers Gipfelskulptur „milk made land“ in Traunstein

Traunstein – Reges Treiben herrschte im Salinenpark in der Au der Großen Kreisstadt. Der Traunsteiner Konzeptkünstler Helmut Mühlbacher hat dort an zwei Tagen zusammen mit zahlreichen Helfern seine Freiluft-Installation „milk made land“ realisiert. Aus rund 1000 aufgeschnittenen Milchtüten und einem vorher genau durchgeplanten, etwa 500 Kilo schweren Holzgerüst wurde dabei ein Kunstwerk in Form eines stilisierten Berggipfels geschaffen. Es soll bis Ende Juli/Anfang August zu sehen sein.

Die peniblen Vorarbeiten, Konzepte, Modelle und Planzeichnungen der Arbeit waren bereits in der dokumentarisch angelegten Ausstellung „DOK Traunstein – Kunst im öffentlichen Raum“ in der Städtischen Galerie im Kulturforum zu sehen. Als eifrige Helfer und Unterstützer des Projekts erwiesen sich außerdem die Zimmerer einer Berufsschulklasse in Traunstein: Sie schufen vorab die zweiteilige Stellage aus Holzrippen, auf denen die Milchtüten mittels Heißklebepistole und Blockhefter befestigt wurden.

Die blaue und grüne Farbe der Milchtüten wecken Assoziationen an Almen mit grünen Weiden und idyllischen Gebirgsbächen. Ergänzt durch die passenden Aufdrucke auf den Milchtüten mit Almbauern und dem Watzmann-Massiv werden damit Eindrücke und Erinnerungen eines kollektiven Landschaftsideals der Berg- und Voralpenwelt geweckt. Die Verwendung der silbrigen Innenseite der Tetrapackungen unterstützt diese Wirkung und könnte auf glänzende Schnee- oder Gletscherreste verweisen. Zugleich macht die mit Schutzfolie überzogene Innenseite aber auch den industriellen Vorgang der Milchverarbeitung deutlich.

Mühldorfer möchte die Installation nicht in erster Linie als Kritik an bestimmten Methoden der Lebensmittelproduktion verstanden wissen. Vielmehr will mit der Skulptur jeden Betrachter selbst zu einem Gedankenexperiment auffordern: Die Frage dazu lautet, inwiefern eigene innere Bilder, Vorstellungen, Wünsche und Einstellungen einer mutmaßlich „heilen“ Gebirgswelt von der Alltagsrealität abweichen und wie diese Narrative mit den Marketingzwecken eines industriell produzierenden Betriebs korrespondieren. Mühlbacher verweist in diesem Zusammenhang auch auf die Instrumentalisierung der Alpen zu unterschiedlichen Zwecken und die lange kunstgeschichtliche Tradition der künstlerischen Abbildung von Alpenlandschaften und den Bergen. Diese seien seit jeher Ziel von Projektionen innerer Sehnsüchte, Wünsche und Vorstellungen gewesen.

Das Projekt, für das viele Unterstützer über Wochen und Monate hinweg Milchtüten gesammelt haben, versteht sich auch als „partizipative Skulptur“. Erst durch das Mit- und Zusammenwirken vieler Unterstützer konnte das Kunstwerk letztendlich realisiert werden. Axel Effner

Samstag, 11. Juli 2026
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