Amerang – Seit 60 Jahren schon gibt es die Konzerte im Renaissance-Hof des Schlosses Amerang und seit zehn Jahren die Opernfestspiele, die Impresario Ingo Kolonerics mit seiner Truppe „Oper im Berg“ aus Salzburg bestreitet. Grund genug für eine italienische Operngala, für einen friedlichen Sängerwettstreit mit insgesamt neun stimmgewaltigen Sängerinnen und Sängern.
Das Besondere an dieser wohl kleinsten Opernbühne, zumindest Europas, ist die Nähe zum Publikum, also das Fehlen einer Distanz mittels eines Orchestergrabens. Die Zuhörer werden so unmittelbar angesungen und bisweilen durchzittert von der jeweiligen Stimmkraft und können den Stimmansatz und die Stimmproduktion aufs Genaueste und Hörbarste verfolgen.
Django Asül
als Moderator
Für diese Jubiläums-Gala hatte Schlossherr Ortholf von Crailsheim wieder einmal den Kabarettisten Django Asül engagiert. Und dieser kalauerte sich, mit seiner Opern-Unkenntnis kokettierend, witzreich-lustig durchs Programm, hielt Vincenzo Bellini für einen Verteidiger von Inter Mailand und die Verdi-Opern-Heldin Luisa Miller für eine Großtante von Glen Miller und bezeichnete ein Duett als „Puccinis Antwort auf Marianne und Michael“: schenkelklopfender Humor.
Wie gut das von Marco Moresco geleitete 13-köpfige Mini-Orchester ist, konnte man hören, als die beiden Geigerinnen als „Miyazaki Sisters“ den Türkischen Marsch von Mozart spielten: hochvirtuos und mitreißend.
Der in Amerang altbekannte wackere Bariton Isik Belen legte einen routiniert virilen Toreador (aus „Carmen“) hin, etwas wild-ungestüm sind noch die Tenöre Farhad Sultani aus dem Iran (mit „Nessun dorma“) mit metallenen und Marco Lozano aus Mexiko mit gleißenden Spitzentönen (in „Di quella pira“ aus Verdis „Trovatore“), weniger geschmeidig der Tenor von Eray Tozan aus der Türkei (mit „La donna e mobile“). Tiefschwarz wie sein Vollbart ist der etwas grobkörnige, aber voluminöse Bass von Vedat Dalgiran (mimisch dramatisch mit „La Columna“ aus Rossinis „Barbiere“).
Eine reine Ohrenweide waren die Frauen: Hochdramatisch, ja flammend, die türkische Mezzosopranistin Sera Telli als Acuzena aus dem „Trovatore“, mit wendigem Mezzosopran und augenrollend lockend Francesca Mercuriali aus Italien als Carmen, vor allem aber in weißglitzernder Abendrobe die ukrainische Sopranistin Oleksandra Dvoriatkina: Sie sang nicht nur die Romanze der Giulia aus Bellinis „I Capuleti e i Montecchi“, sondern durchlebte sie mit ihrem gut geführtem mädchenhaft timbriertem Sopran, der trotzdem leicht ein klingelndes Handy übertönte. Geschmeidig-bruchlos glitt sie mit guter Legato-Kultur durch alle Stimmlagen und verströmte aus allen Poren die typisch Bellini’sche elegische Süße.
Am Schluss wurde es wieder ausgelassen mit italienischen Liedern und natürlich mit dem Trinklied „Brindisi“ aus Verdis „La Traviata“ – und das Publikum im ausverkauften Schlosshof tobte.