Publikum feiert Premiere von „Il Trovatore“

Die Solisten vor dem Bühnenbild von Hendrik Müller, das dem Schloss-Innenhof neue Dimensionen verleiht.Foto re

Die Solisten vor dem Bühnenbild von Hendrik Müller, das dem Schloss-Innenhof neue Dimensionen verleiht.Foto re

Verdis Meisterwerk bei den Opernfestspielen Schloss Amerang

Amerang – Ein wahres Fest der Stimmen erwartet Besucher der Verdi-Oper „Il Trovatore“ (zu deutsch „Der Troubadour“) auf Schloss Amerang. Die erste Premiere der 10. Opernfestspiele wurde mit stehenden Ovationen gefeiert. Ein internationales Gesangsensemble überzeugte in der behutsamen Regiearbeit von Ingo Kolonerics, der in seiner schnörkellosen, klassischen Umsetzung ganz auf seine charismatischen Gesangstalente vertraute. Der Erfolg gab ihm recht.

„Il Trovatore“ von Giuseppe Verdi ist eine dramatische Oper über Liebe, Rache und verhängnisvolle Missverständnisse. Graf Luna liebt Leonora, die jedoch den fahrenden Troubadour Manrico liebt. Manrico wurde als Kind von der Romni Azucena aufgezogen, die Rache am Grafen schwört, weil dieser ihre Mutter verbrannt hat. In einem tragischen Irrtum tötete Azucena jedoch ihren eigenen Sohn und zog Manrico, den Sohn des Grafen groß. Am Ende lässt Luna Manrico hinrichten – ohne zu wissen, dass er seinen eigenen Bruder getötet hat. Im Vordergrund steht bei aller Dramatik die Musik: Die Oper enthält mehrere bekannte Arien und Ensembles, die zu den beliebtesten des Opern-Repertoires gehören. Der rhythmische Chor „Vedi! Le fosche notturne spoglie“ ist einer der bekanntesten Opernchöre überhaupt.

Der Titelheld wird auf Schloss Amerang von dem mexikanischen Tenor Marco Antonio Lozano so verkörpert, dass man um die Schlossmauern bangen muss. Sein hohes C in der berühmten Stretta überstrahlt das Orchester mühelos bis in den letzten Rang.

Die Leonora ist mit Selin Dagyaran ebenfalls glänzend besetzt. Mit vollem, lyrischen Sopran bewegt sie sich mühelos durch die anspruchsvollen Arien, welche sie mit strahlenden Spitzentönen enden lässt. Der routinierte Verdi-Bariton Nejat Isik Belen beherrscht in der Rolle des Grafen Luna die Bühne mit fesselnder Präsenz und Grandezza. Der elektrisierenden Aura Francesca Mercurialis als Azucena kann man sich kaum entziehen. Ausstrahlung und Stimmpotenzial machen neugierig auf weitere Verdi-Rollen.

Vedat Dalgiran verleiht dem Ferrando seinen luxuriösen Prachtbass. Souverän meistert er seine schwierige Partie. Ruiz, der treue Gefolgsmann und Freund von Manrico, ist mit dem voluminösen, durchschlagkräftigen Spinto-Tenor Eray Tozan stark besetzt. In Duetten strahlt Oleksandra Dvoriatkina als Vertraute Leonoras mit goldenem Sopran Leichtigkeit in die Ränge und macht Hoffnung auf großes Belcanto-Repertoire.

Am Premierenabend lief das Orchester unter dem italienischen Dirigenten Marco Moresco zur Höchstform auf, „atmete“ gleichsam mit den Sängern auf der Bühne: sanft, aufbrausend, feurig, melancholisch und immer präzise. Am Freitag, 11. Juli, steht die Inszenierung ein zweites Mal auf dem Spielplan. Karten gibt es unter Telefon 08075/91920 und www.schlossamerang.de.

Samstag, 11. Juli 2026
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