Neubeuern – In ein lebhaftes Gespräch vertieft, gehen Bratschistin Hiyoli Togawa und Gülru Ensari im Festsaal von Schloss Neubeuern durch das Publikum hindurch zu Bühne. Gleich darauf stimmt Gülru Ensari ein zartes türkisches Volkslied an, das sie auf dem Klavier gefühlvoll begleitet. Beide Interpretinnen, die eng miteinander befreundet sind, haben das Abschlusskonzert der Neubeurer Saison unter das Motto „Begegnungen“ gestellt. „In der Musik finden wir eine gemeinsame Sprache“, erklärte Gülru Ensari. Es komme darauf an, sie mit Empathie auf sich wirken zu lassen.
Zeitgenössische
Werke
Ensari und Togawa hatten für den Abend zeitgenössische meditative Stücke des Finnen Kalevi Aho und des Türken Semih Korucu ausgesucht. Daneben standen noch ein Gesang für Viola und Klavier von Elliott Gyger und Werke für Viola und Klavier von Schumann und Hindemith auf dem Programm. Für den Zuhörer war es ein Genuss, den zarten Klängen der Kompositionen zuhören zu dürfen. Ensari und Togawa besitzen eine gewinnende Ausstrahlung. Ihre Darbietung rief eine märchenhafte poetische Stimmung hervor, die das Publikum augenblicklich gefangen nahm.
Togawa brachte auf der Bratsche begleitend zu ihrem Gesang tröstende Klänge zu Gehör. Kalevi Aho komponierte das Stück während der düsteren Zeit der Corona-Pandemie. Berührend war Empati 1 für Viola und Klavier von Semih Korucu. Beide Interpretinnen spielten sie mit feinem dialogischen Gespür und großer Emotionalität.
Im Stück „Chanting“ von Elliott Gyger hörte das Publikum die fröhlichen Stimmen und Geräusche auf einem Spielplatz, den Singsang der Kinder, Zurufe, Pfeifen und Zanken. In der Musik sich selbst begegnen konnte man in der Empati 2 für Viola und Klavier, deren melodische Linien und subtile Klangmuster beeindruckten.
Robert Schumanns Märchenbilder op. 113 bezauberten das Publikum. Nach einem schwelgerischen ersten Satz folgten ein marschähnlicher, ein schneller und ein gesanglich ruhiger letzter Satz. Die Viola mit ihrem warmen, elegische Ton und das perlende Klavier vollführten einen betörenden träumerischen Dialog.
Nach der Pause mit dem herrlichen Blick von der Schlossterrasse ins sommerliche Inntal spielten Gülru Ensari und Hiyoli Togawa die Stücke Empati 3 und 4 von Semih Korucu. In Michiru Oshimas sanft dahinfließender Komposition widerspiegelten sich zu Herzen gehende Erinnerungen an die Kindheit mit all ihren Sehnsüchten, Hoffnungen und Wünschen. Die feinsinnig filigrane Empati 4 erhielt für kurze Zeit durch Donnergrollen und leises Rauschen des Regens eine besondere Note.
Folkloristische
Motive
Bevor beide Interpretinnen wieder musizierend ihren Weg durch das Publikum zum Ausgang des Saales nahmen, erklang noch von Paul Hindemith die dreisätzige Sonate für Viola und Klavier op. 11. Weich und schwebend strömten die Töne in der Fantasie, ergreifend waren die mannigfaltigen Variationen, in denen auch folkloristische Motive aus Ensaris türkischer Heimat anklangen.
Für den anhaltenden und lebhaften Beifall bedankten sich beide Musikerinnen beim Publikum mit einem strahlenden Lächeln.