Mut, Monologe und moralische Grauzonen

von Redaktion

Der Film „Der Deserteur“ ist am 13. Juli in Mikes Kino – Regisseur Christoph Baumann und Hauptdarsteller sind in Prien zu Gast

Prien – Der neue Film „Der Deserteur“ von Regisseur Christoph Baumann thematisiert das Schicksal eines jungen Deserteurs in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs und beleuchtet die moralischen und menschlichen Konflikte dieser Zeit.

Im Zentrum des Films steht Anton, ein kaum volljähriger Soldat der Waffen-SS, der von seiner Einheit in den Tiroler Bergen getrennt wird und sich entschließt, zu desertieren. Schwer verletzt findet er Zuflucht in einer abgelegenen Berghütte, wo eine junge Frau zunächst misstrauisch, später jedoch fürsorglich seine Wunden versorgt. Die Situation spitzt sich zu, als sie in Anton den SS-Mann erkennt und die junge Magd offenbart, dass in der Hütte eine Jüdin versteckt wird.

Der Film entfaltet seine stärksten Momente in intensiven Dialogen zwischen Hannah, der Verfolgten, und Anton, dem Deserteur. In langen Einstellungen öffnen sich die Figuren einander und konfrontieren sich mit den Grausamkeiten, die Menschen einander in Extremsituationen antun können. Regisseur Baumann betont, dass derartige Monologe heute beim Film und Fernsehen selten geworden seien. Da „Der Deserteur“ ohne Filmförderung entstand, konnte Baumann nach eigenen Vorstellungen arbeiten. Dies bedeutete jedoch auch ein geringes Budget, den Einsatz eigener finanzieller Mittel und für die Schauspieler lediglich eine Spesenpauschale.

„Wir haben gedreht, wie man vielleicht mit Anfang 20 einen Film dreht. Das ganze Team hockt zusammen auf der Hütte oben am Berg, kocht auch mal gemeinsam irgendwas und hat dabei immer volles Arbeitsprogramm“, berichtet Sebastian Fischer, der Hauptdarsteller.

Er ergänzt: „Sechzehn ausgefüllte Drehtage waren das, ich war froh, wenn ich mal fünf Stunden am Stück schlafen konnte!“ Baumann erinnert sich: „Gekracht hat es schon auch mal, aber da wir uns alle seit Ewigkeiten kennen, funktioniert es dann halt doch.“

Gedreht wurde in einer Hütte im Rauris. Kameramann Christian Weischer sorgte für eindrucksvolle Bilder von der Enge der Hütte bis zu spektakulären Bergpanoramen. Als Anstoß für den Film nennt Baumann die Auseinandersetzung mit der Frage: „Wie kann ein zivilisiertes Volk wie die Deutschen so vollkommen abdrehen?“ Sebastian Fischer hebt hervor, dass das Interesse an dieser Zeit auch bei jüngeren Zuschauern wachse: „Wir hatten in Vorstellungen auch 14- bis 16-Jährige, die super dabei waren. Ich glaube, dass es solche Filme geben muss!“

Im Herbst wird die Kinotour fortgesetzt. „Der Deserteur“ wurde bereits mit fünf Preisen ausgezeichnet, darunter der Zuschauerpreis beim BOCA International Jewish Film Festival 2025. „Da macht man einen Film, und dann gibt dafür jemand zehn Euro für eine Kinokarte aus – das ist dann schon sowas wie ein Ritterschlag!“, so Baumann.Klaus Bovers

Film am Sonntag

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