Amerang – Beethoven soll einmal gesagt haben, dass in einem Klaviertrio das Klavier das Oberhaupt der Familie ist, die Violine der Junge, der keine Ruhe gibt und das Cello der Großvater, der alles zusammenhält. Das Clemente-Trio bildete beim Schlosskonzert in Amerang eine beglückende harmonische Einheit. Peter Clemente (Violine), Konstantin Pfiz (Violoncello) und Paul Rivinius (Klavier) bannten das leider nicht sehr zahlreich anwesende Publikum mit Klaviertrios von Beethoven, Mozart und Schubert.
Energisch und lebhaft erklang zu Beginn in Beethovens Es-Dur Klaviertrio op. 1 Nr 1 das Allegro mit seinen aufsteigenden Läufen und weichen Lyrismen. Im Adagio cantabile führten alle drei Musiker einen innigen Dialog, in dem weit ausschwingende Melodielinien und zarte Begleitfiguren gefangen nahmen. Herrlich anzuhören war die singende Violine und der geschmeidig warme Ton des Cellos.
Heitere Verspieltheit verströmte das Scherzo, große Virtuosität kennzeichnete das Presto-Finale, den das Clemente-Trio mit musikalischer Bravour zum Erklingen brachte. Im letzten Satz sorgte der Glockenton der Schlossuhr für eine kurze Irritation, nach dem ersten der verfrüht einsetzende Beifall des Publikums.
Das Klaviertrio in B-Dur KV 502 von Mozart bestach durch ein helles, beschwingtes Allegro, ein bezauberndes melodisches Larghetto und ein Allegretto, das ein wenig an seine Klavierkonzerte erinnerte. Das Clemente-Trio spielte auch dieses Werk mit konzentrierter Hingabe und Leidenschaft. Seine sensible Interpretation ließ jedem Kammermusikliebhaber das Herz höherschlagen.
Nach der Pause stand mit dem B-Dur Klaviertrio von Franz Schubert ein musikalischer Meilenstein auf dem Programm. Im Allegro brillierten Violine und Cello mit einer triolendurchsetzten Melodie, die vom Klavier akkordisch begleitet wurde. Wunderbar klang die lyrische Melodie zu wiegenden Rhythmen im Andante un poco mosso, unbekümmert und fröhlich mit lockerer Staccato-Phrasierung das folgende Scherzo. Im Finale mit seinem großen Variationenreichtum und farbigen Spieleffekten berührte eine wienerische Tanzmelodie.
Für den begeisterten Befall bedankte sich das Trio mit dem zweiten Satz aus Beethovens Gassenhauer-Trio und mit dem „Liebesleid“ von Fritz Kreisler.
Georg Füchtner