Firm in allen musikalischen Stilen

von Redaktion

Junge Weltklassepianistin bei den Tiroler Festspielen Erl

Erl – Sie ist erst 18 Jahre alt, doch schon auf den größten Bühnen zuhause, nun auch bei den Tiroler Festspielen Erl, wo sie ein beinahe zyklopisches Programm schulterte: die russische Pianistin Alexandra Dovgan. Unglaubliche Kraft in den Fingern durch reine Technik und nicht durch Körpereinsatz, enormer Klangsinn, reflektierte Disposition und eine superbe Technik machten die gespielten Werke zum Ereignis.

Rasende
„Sturm-Sonate“

Beethovens „Sturm-Sonate“ op. 31/2 begann Alexandra Dovgan mit einem extrem spannungsvollen Arpeggio und stürmte und drängte dann los, verhielt zwischendurch pedalgestützt im verhangen-träumerischen Rezitativ, bevor die Raserei wieder einsetzte. Im Adagio betonte sie die Dialogstruktur, indem sie die eigenwillige rollende Bassfigur immer wieder, aber immer variiert, hervorhob. Im wirbelnd bewegten Finale stieg sie zwischendurch klangfaszinierend in ätherische Regionen: Mit Alexandra Dovgan erlebte man diese Sonate wieder ganz frisch und neu. Man würde sie am liebsten den ganzen Abend Beethoven spielen hören. Sanft und weichglitzernd schaukelte Dovgan dann durch die vielen Harmoniewechsel in der Fis-Dur-Barcarolle von Chopin, dabei diese Harmoniewechsel immer als unerhörtes Ereignis präsentierend. Wehmut und stählernes Pathos, das dann doch im Sechzehntelgeglitzer zerstäubte, herrschte in Chopins f-Moll-Fantasie op. 49, deren H-Dur-Zwischensatz Dovgan nicht feierlich, sondern eher flehentlich nahm. Alles hörte sich im Moment ehrlich durchlebt an: Man würde Dovgan am liebsten den ganzen Abend Chopin spielen hören.

Nach der Pause gings in die französische Spätromantik, in die mystischen Ekstasen von Prelude, Choral et Fugue von César Franck: hart drängend im Präludium, würdevoll ernst im Choral und streng kontrapunktisch, aber mit spätromantischer Opulenz, in der Fuge, die sich anhörte, als habe Richard Wagner Bach übertrumpfen wollen.

Rollende Läufe und
scharfe Synkopen

Perkussives Hämmern voll unglaublicher Kraft, leis perlende Klänge, diabolischer Tanz, melancholische Kantabilität, rollende Läufe und scharfe Synkopen von fast unheimlicher Präzision – all dies findet sich in der Sonate Nr. 2 von Sergej Prokofjew, von Alexandra Dovgan immer im pianistischen Schönklang präsentiert: Firm ist sie in allen musikalischen Stilen. Man würde sie am liebsten den ganzen Abend Prokofjew spielen hören.

Das hochbegeisterte Publikum erklatschte sich drei Zugaben: fein hingetupft die Valse brillante op. 30/3 und die elegische Mazurka a-Moll op. 17/4 von Chopin sowie abschiedsfeierlich das Bach‘sche „Jesu, meine Freude“ – ja, eine reine Freude war’s!.

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