Tangogepeitschte Leidenschaft

von Redaktion

LTG Young Soloists bei den Herrenchiemsee Festspielen

Chiemsee – Der Name ist Programm: Jeder und jede der Geiger und Geigerinnen der LTG (das ist der Name der sponsernden Bank) Young Soloists ist ein Solist und trat beim Konzert bei den Herrenchiemsee Festspielen auch solistisch auf. Gemeinsam bilden sie ein Streicherensemble, dessen leidenschaftsdurchglühte Spielweise jedes Mal begeistert, ob mit Barockmusik, französisch-impressionistischer oder auch bei moderner Musik.

Orchester und Solisten verzahnt

Mit Bachs d-Moll-Doppelkonzert begann’s. Schön war die natürliche Verzahnung von Orchester und Solisten, mitreißend die Rasanz und anspringend die Leidenschaft, mit der selbst jeder Ton der schnellen Läufe mit Leben erfüllt war. Die Solisten Alexander Gilman (der Chef des Ensembles) und Sara Göbel wetteiferten um süß singenden und betörend schönen Geigenton und schienen sich im Allegro schier zu umtanzen, so freudig bewegt und belebt war alles.

Das „Poème“ von Ernest Chausson ist eigentlich ein Mini-Violinkonzert – für ein richtiges Konzert fühlte sich Chausson nicht berufen. Auch in der Version für Streichorchester (ursprünglich für große Orchesterbesetzung) entfaltete es seinen träumerisch blühenden, aber auch etwas schwülen Reiz: wie ein heißer Sommerabend in einem südlichen Garten (Chausson urlaubte während des Komponierens bei Florenz). Clarissa Bevilacqua spielte mit sonorem Vollklang und zehrender Süße, variierte die Töne immer innerhalb einer Phrase und schuf so die Illusion einer Liebesgeschichte, die dramatisch verläuft und traurig endet: Inspiration für die Komposition war die Erzählung „Das Lied der triumphierenden Liebe“ von Iwan Turgenjew.

Tangogepeitschte Leidenschaft herrschte bei „Las Cuatro Estaciones Porteñas“, den „Vier Jahreszeiten von Buenos Aires“ von Astor Piazzolla. Jede Jahreszeit bekam ihre eigene Solistin: Kiana Chan, Haeun Kim, Julia Kidon und Deniz Sensoy entlockten ihren Instrumenten oft „schmutzige“ Klänge, ließen ihre Geigen schluchzen, klagen, quietschen oder auch mal aufjaulen, kratzig am Steg spielen und verkörperten so die sengende Großstadthitze, die Herbst-Melancholie, die Winter-Schwermut und die Frühlings-Liebessehnsucht.

Publikum erklatscht zwei Zugaben

Zwei Zugaben erklatschten sich die enthusiasmierten Zuhörer im vollen Spiegelsaal: den hinreißend virtuosen „Yankee Doodle“ mit Haeun Kim als Solistin und den berühmten „Libertango“ von Piazzolla als fetzigen Rausschmeißer.

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