Wohlfühljazz von allerhöchster Güte

von Redaktion

Thierry-Lang-Trio überzeugt bei Festivo mit perfekt ausbalanciertem Zusammenspiel

Aschau – Das Thierry-Lang-Trio zu Gast beim Kammermusikfestival Festivo: Klassik und Jazz, mag man fragen, geht das denn zusammen? Und wie. Viele Zuhörer in der mehr als sehr gut besuchten Aschauer Festhalle waren gezielt gekommen, wussten um die Qualität des Schweizer Trios. Andere wiederum waren neugierig. Und – so viel sei schon verraten – es war ein erfüllender Abend für alle Beteiligten. Der Zauber des romantischen, klassischen Jazz wirkte. Da hatte Festspielleiter Johannes Erkes bei seiner Begrüßung wahrlich nicht zuviel versprochen.

Ausbalanciertes Zusammenspiel

Pianist Thierry Lang glänzte mit unglaublich differenziertem Anschlag, Kontrabassist Heiri Känzig war großartig in seiner Rolle als harmonischer Basis-Schaffer und als charmanter Solist mit viel Körper und Wärme und Andi Pupato handhabte unaufdringlich-meisterhaft die verschiedensten Schlagwerk-Instrumente. Nicht nur ob ihrer Virtuosität, sondern mehr noch in ihrem ausbalancierten Zusammenspiel und ihrer Leidenschaft für die Improvisation begeisterte das Trio. Swing, Romantik, Bebop, Klassik, Eigenkompositionen und entfernte Anleihen bei den Urvätern des Jazz schimmerten durch.

Mit einer Umarmung, „Embrace“, ging es los: Zartes Glockengeläut, dann eine verhaltene Melodie vom Flügel, der sich später samten gezupfte Bass-Akkorde dazugesellten. Was so poetisch begann, setzte sich beim „valse de petits pois“ („Walzer der kleinen Erbsen“) fort. Mit sanften Beats – hier Becken, Gong und Cajon – untermalte Schlagwerker Pupato den Walzer-Takt und Kontrabassist Känzig setzte feinfühlig zarte Akkorde zu den träumerischen Walzermelodien vom Flügel. „Serenity“ (Gelassenheit, Ruhe) entsprach genau seiner Bedeutung. Tiefe dunkle Akkorde am Klavier, zart und aufdringlich vom Schlagwerk begleitet, und beinahe schwermütige und doch heitere Klanglinien zupfte der Bass. Flotter, bewegter ging es im nachfolgenden Stück zu, bei dem sich Bebop-mäßig Bass und Klavier mit Melodien den Ball zuspielten und vom Schlagwerk mit witzigen Einwürfen begleitet wurden.

Dann wähnte man sich in einer Cocktailbar: Der Bass, der im Flageolett sang, das Klavier, das eingängige, samtene, beinahe poetisch anmutende Akkorde und lang gezogene Melodien dazu spielte, die sanften Beats vom Cajon, angereichert mit Schellen, Glocken und Schlitztrommel.

Kontrabass
sang wie ein Wal

Bei „Time left“ gaben Schlagwerk und Bass das Ticken der Zeit vor, das Piano war dieses Mal der Melodiengeber. Tief in die Unterwasserwelt tauchte man zu täuschend echtem Walgesang (pardon, Kontrabass-Spiel) bei „Moby Dick“ ein und später in eine cineastische Märchenwelt à la Amélie bei „Just mine.“

Ein routiniertes, aufmerksames und dennoch traumwandlerisch sicheres Gespür für Klanglandschaften. Melodien, die sich über mehrere Jams hinauszögern. Wohl gesetzte Pausen. Abwechslungsreiche Phrasen. Das alles zusammen macht das Thierry-Lang-Trio aus. Wohlfühljazz allerhöchster Güte, der für einen jazzigen, romantischen und klassischen Wohlklang sorgt, und der noch lange nachhallt. Genau passend zu Festivo eben.

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