„Jetz bauns de Bahn nach Rosenheim …“

von Redaktion

Aus der Volksmusikpflege Ein Abend mit Liedern zur kleinen und großen bayerischen Geschichte

Wer kennt das Lied nicht, das manche Zeitgenossen mit besonderer Hingabe singen? Es dreht sich um das Schicksal eines legendären Wittelsbacher Königs in den 1870er- und 1880er-Jahren. Er hat mit seinen damaligen Bauten viel Geld verbraucht – zugleich sind sie heute ein Touristenmagnet.

„Auf den Bergen wohnt die Freiheit, auf den Bergen ist es schön, wo des Königs Ludwigs Zweiten alle seine Schlösser stehn.“

Es ist das Schicksal von König Ludwig II., das nach seinem ungeklärten Tod 1886 im Starnberger See neben vielen Erzählungen auch mehrere Lieder hervorbrachte. Immer ist auch ein wahrer Kern dabei, aber auch viel Gedichtetes ohne wirkliche Grundlage. Natürlich liegt Herrenchiemsee nicht wie die anderen Königsschlösser in den Bergen, sondern im Voralpenland – aber das hat den unbekannten Dichter nicht gestört. In den Liedern werden Bilder erschaffen, die zeitlos sind und wichtig dafür, ob ein Lied eine „Eintagsfliege“ bleibt oder „vom Volk“ angenommen, verbreitet und bis heute gesungen wird. Wichtig dafür ist natürlich auch eine für die normalen Menschen gut singbare und eingängige Melodie. Beim König-Ludwigs-Lied hat man einfach eine schon im auswendigen Volksgesang in mehreren Ländern verbreitete Melodie übernommen.

Gehen wir einige Jahrzehnte zurück: In den Napoleonischen Kriegen zu Beginn des 19. Jahrhunderts haben die bayerischen Truppen im Auftrag von Napoleon Tirol besetzt und teilweise unmenschlich gewütet. Das Schicksal des Tiroler Freiheitskämpfers Andreas Hofer berührte nicht nur seine Landsleute. Nach seiner Hinrichtung 1810 entstand alsbald auf ein damals gebräuchliches Soldatenabschiedslied das „Andreas-Hofer-Lied“. Wunderbar gesungen haben es beispielsweise mit vielen Strophen die Riederinger Sänger:

„Ach Himmel, es ist verspielt, ich kann nicht länger leben! Der Tod steht vor der Tür, will mir den Abschied geben. Meine Lebenszeit ist aus, ich muss aus diesem Haus!“

Am kommenden Mittwoch, 13. August, lädt der Förderverein Volksmusik Oberbayern in Bruckmühl (Pfarrweg 11) zu einem Abend in der Reihe „Bayerische Geschichte in Lied und Musik“ ein. (Anmeldung unter Telefon 08062/8078307 oder per E-Mail ernst.schusser@heimatpfleger.bayern). An diesem Abend wollen wir die Geschichte und die Geschichten zu und hinter einigen bekannten oder weniger bekannten Volksliedern betrachten, wie sie Wolfgang Killermann und Eva Bruckner aufbereiten.

Hier nur ein paar weitere Beispiele: Es geht um einen Gesang zur Abschaffung der Feiertage vor gut 200 Jahren. Es wird der Wildschütz Jennerwein und sein Schicksal besungen – oder die „Dachauer Bank“ der Adele Spitzeder in den 1870er-Jahren. Die Schäferromantik des späten 18. Jahrhunderts mündet in das „Nein“ einer Bauersmagd zu den Werbungen eines adeligen Kavaliers – welch eine Revolution! Was ist mit „Die Gedanken sind frei“ oder Liedern zur Revolution 1918/1919 im Mangfalltal? – Lassen Sie sich überraschen!

Auch der Eisenbahnbau, die Fertigstellung der Gleise nach Rosenheim und weiter nach Salzburg im Jahr 1860 wird laut der Sammlung von August Hartmann (1864 bis 1917) umfangreich und auch skeptisch in zwölf Strophen auf die damals bekannte Melodie von der „Schwäbischen Eisenbahn“ besungen:

„1. Seit den vielen Eisenbahnen gibts so wenig Postillionen. Was uns sonst das Posthorn blies, bläst uns jetzt die Lokomotiv

2. Jetz bauns de Bahn nach Rosenheim. Ei, da werds recht lustig sein. Wenns schon am Ende nicht viel tragt, so habns doch Unterhaltung ghabt.“

Viele dieser historischen Volkslieder betreffen unsere Heimatgeschichte – oder sie haben Inhalte zum Thema, die unsere Vorfahren direkt betroffen haben. Diese Lieder sind es wert, auch heute betrachtet und gesungen zu werden.ernst schusser

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