Neubeuern – Viele künstlerische Arbeiten und alle Ausstellungen von Christa Ulmer-Thurn, langjähriges Mitglied des Neubeurer Künstlerkreises, thematisieren das Gute und das Böse. So auch in der neuen Ausstellung in der Galerie am Markt in Neubeuern, wo sie unter dem Titel „Aus der Krise ins Leben“ zusammen mit Ingeborg Benninghoven neue Arbeiten präsentiert.
In ihrer Einführung zur aktuellen Ausstellung erläutert Christa Ulmer-Thurn, dass Kultur auch gesellschaftsfeindliche Aspekte habe, da sie menschengemacht sei und sich in Machtprozessen, Interessen und Zeitströmungen durchsetzen wolle. „Alles befindet sich in einem ständigen Veränderungsprozess, Traditionen und Visionen fließen in das Weltbild und das Menschenbild ein. Kurz gesagt, Gesellschaft ist ein Kessel Buntes, ein heißer Brei, der mehr oder weniger gewürzt wird und in dem ständig gerührt wird“, so Ulmer-Thurn.
Das erste Bild der Ausstellung trägt den Titel „Ach, wie gut, dass niemand weiß, wer ich bin und wie ich heiß‘“. Die Künstlerin berichtet weiter, dass sie auf ihrem Weg von Denkern wie Hannah Arendt und Stephen Hawking begleitet worden sei. „Und so bin ich beim Ziel dieser Ausstellung ,Aus der Krise ins Leben‘ angekommen“, berichtet Christa Ulmer-Thurn weiter „und ich hoffe, ich habe vermitteln können, warum ich mir so viel Arbeit und Gedanken mache. Ich kann einfach nicht anders“.
Ingeborg Benninghoven aus Bad Aibling, die bereits zum dritten Mal als Ausstellungsgast eingeladen wurde, beschreibt ihre Arbeitsweise als intuitiv und vielschichtig. „Meine Bilder entwickeln sich intuitiv im Schaffensprozess aus vielen Schichten, die eine stimmige Komposition ergeben“, erklärt Benninghoven. Sie habe sich in den vergangenen Jahren in ihren Werken intensiv mit Krisen wie Corona und Kriegen auseinandergesetzt. Nun sei für sie das Positive angesagt, als bewusster Kontrast zu den Arbeiten von Christa Ulmer-Thurn. „Gegensätze ziehen sich an, bauen Spannung auf und das macht die Ausstellung mit Christa jedes Mal so reizvoll für mich“, berichtet Benninghoven.
Die Künstlerin experimentiert gerne mit unterschiedlichen Materialien und Techniken, darunter Objektkästen, verschiedene Drucktechniken, Bleistift, Kohle, Acrylfarben, Kreide sowie Naturmaterialien wie Sand, Kalk und Metall. Ihre Werke reichen stilistisch von abstrakt bis naturalistisch und thematisieren unter anderem selbstbewusste Frauen, die für Lebenslust stehen, und Wasser als Symbol für Transformation, Reinigung und Transparenz.
In ihren neueren Bildern tauchen auch immer wieder Boote auf, in vielen Kulturen Urbild für Reisen, die Lebensreise oder aber die Überfahrt zu neuen Ufern oder einem neuen Lebensabschnitt.
Ihre Objektkästen aus früheren Jahren, die zum Teil noch nie ausgestellt waren, treten in Dialog mit den neueren Arbeiten. Besonders hervor hebt Benninghoven ihre Pappmaché-Figuren, darunter woll-lustige Tänzerinnen.