Halfing – Die letzten Arien sind verklungen. Mit dem „Finale Grande“ endete das Immling-Festival 2025. Knapp 20000 Besucher kamen heuer auf den grünen Hügel im Chiemgau. Intendant Ludwig Baumann ist zufrieden: „Wir haben endlich wieder Besucherzahlen wie vor Corona. Noch dazu konnten wir durch unsere Akademie junges Publikum akquirieren, was uns ein großes Anliegen ist.“
Kultur als Stützpfeiler
der Gesellschaft
Baumann schloss sich den Worten von Elke Heidenreich an, die bei ihrem Auftritt in Immling in einer spontanen Rede betont hatte, dass Kultur ein Stützpfeiler einer funktionierenden Gesellschaft und das gerade in der heutigen Zeit wichtiger geworden sei.
„Gerade Oper gibt der Gesellschaft einen Spiegel dessen, was die Menschheit schon immer bewegt, was einen vielleicht im Innersten trifft“, so Baumann, und sagte weiter: „Das, meine ich, haben wir in diesem Jahr mit so unterschiedlichen Produktionen vermitteln können, worauf wir sehr stolz sind.“
Das Programm umfasste drei große Opern: „La forza del destino“ von Giuseppe Verdi, „Carmen“ von Georges Bizet und „Manon Lescaut“ von Giacomo Puccini. Besonders Carmen erwies sich als Publikumsliebling. Dabei präsentierte sich die Titelheldin in einem neuen Licht: nicht als Opfer, sondern als eine Frau, die ihren Weg geht und dafür alles riskiert.
Mit „Manon Lescaut“ gab es ein neues Traumpaar auf der Immlinger Opernbühne. Maria Natale und Vasyl Solodkyy eroberten die Herzen der Besucher im Sturm. Nicht selten sah man Tränen in den Augen. Die Inszenierung von Ludwig Baumann war aktuell und sehr berührend.
Bildgewaltig war die Inszenierung von „La forza del destino“. Verdis spanische Tragödie findet unter einem fernöstlichen Schicksalsrad statt. Stuart Martin von „The Stuart Review“ würdigte vor allem Yunuet Laguna als Leonora: „Abgesehen von Anna Netrebko ist sie die einzige Sängerin, die ich live gesehen habe, die das Finale perfekt gesungen hat. Atemberaubend gut.“
Das freut natürlich die musikalische Leiterin des Festivals, Cornelia von Kerssenbrock: „Unsere Künstler – vom Chor über das Orchester – haben sich alle übertroffen.“ Man habe wieder einige Sängerinnen und Sänger gehört, die kurz vor dem Sprung an die Spitze der Musikszene stünden. „Wir kaufen nicht die Stars – wir machen sie, ist unser Motto und wir sind stolz, dass uns das auch in diesem Jahr gelungen ist, gerade mit sehr anspruchsvollen Partien“, so Cornelia von Kerssenbrock.
Ein anspruchsvolles sinfonisches Programm hatte man sich auch für das Festival-Orchester vorgenommen. Mit Mahler und Rachmaninov entfachte die Chefdirigentin ein berauschendes Klangfeuerwerk.
Die Produktionen der Akademie Immling fanden ebenfalls großen Anklang. Neben der „Zauberflöte für Kinder“ bat Graf „Dracula“ zum Tanz. Das Musical sorgte nicht nur für Gänsehaut, sondern eroberte sich auch eine Fangemeinde.
Begeistert vom Publikum aufgenommen wurde die Lesung von Elke Heidenreich. Sie entführte die Besucher nach Venedig – die Stadt der Stille, begleitet mit venezianischer Musik.
2026 feiert
Immling 30 Jahre
Nächstes Jahr wird ein ganz besonderes in Immling. Das Festival wird 30 Jahre. Bereits jetzt fest eingeplant sind: „Tosca“ von Giacomo Puccini, „Lucia di Lammermoor“ von Gaetano Donizetti, „Un ballo in maschera“ von Giuseppe Verdi sowie „Die Zauberflöte“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Mit letzterer Produktion kehrt Immling zu seinen Anfängen zurück: Genau mit dieser Oper begann die Erfolgsgeschichte des Festivals.