Geheimnisvolle Ortsnamen in Riedering: Anisag, Farnach und Ofenwinkl

von Redaktion

Der Ferienkurs „Ortsnamenkunde im Chiemgau“ (siehe Folge vom 16./17. August 2025) kommt nach kurzer Brotzeitpause wieder im Kursraum zusammen, um die geheimnisvollen Namen der Weiler Anisag und Farnach sowie der Einöde Ofenwinkl – allesamt in der Gemeinde Riedering befindlich – historisch zu untersuchen und zu erklären.

Nach Laras Vortrag über die Namensherkunft von Anisag, das sich von „Honolfesache“ (1135) über „Onofesahe“ (1140), „Onolfenhage“ (1150) und „Onesag“ (1411) zum heutigen Wortlaut Anisag entwickelte und als „das wasserreiche Wiesen- und Auenland des Onolf“ gedeutet werden kann, möchte die Teilnehmergruppe weitere Details wissen. Der Kursleiter verweist auf das „Riederinger Heimatbuch“, das von Karl Detterbeck unter Mitwirkung von Konrad Breitrainer 1988 vorgelegt wurdet. Das Buch entstand anlässlich des 1200-Jahre-Jubiläums des Pfarrdorfes Riedering. Dieses wurde 788 erstmals als „Hrodheringas“ (= Bei den Leuten des Routheri) urkundlich erwähnt, und zwar in der Schrift „Notitia Arnonis“ des Salzburger Bischofs Arn oder Arno, einem Verzeichnis der Besitztümer Salzburgs.

Aufgrund der bereits verteilten Heimatbuch-Kopien zu Anisag, Farnach und Ofenwinkl meldet der Leser Severin eine Unstimmigkeit: „Hier heißt es „Bajuwarengräber in Anisag. Die Sippe des Onolf siedelte an der Ache“. Aber der Ortsnamenforscher Josef Bernrieder hat ja gerade kein fließendes Gewässer – eine Ache – im Namen Anisag entdeckt, sondern eine Owe oder Ouge. Also: eine Aue!“

„Na guad“, meint Lara. „Aber noch etwas wichtiger ist doch der Hinweis auf die 13 in Anisag freigelegten Bajuwarengräber! Was für eine uralte Siedlung.“

„Aber jetzt“, fordert die Miriam, „geht’s zum Namen von Farnach. Bernrieder gibt für 1150 gleich zwei verschiedene Schreibungen aus den „Monumenta Boica“ an: Uarmage (Nr. 2, 298) und Pharmach (Nr. 2, 320). Das U und das Ph sind wohl als F zu sprechen“. Sie ergänzt: „1580 und 1588 taucht die Schreibung Varmach auf, erst 1613 Farmach. Immer mit m, nicht mit n“.

„Schaut einmal her“, merkt Romana an. „Wieder keine Ache im Namen! Josef Bernrieder schreibt, dem Ortsnamen liege althochdeutsch faram, faran, mittelhochdeutsch varn, varm „Farnkraut“ zugrunde. Also, m oder n spielte da keine Rolle.“ Der Name erklärt sich als Gelände mit dichtem Farnkraut. Das „ach“ im Namen drückt hier nämlich keine Ache, sondern eine Ansammlung aus, hier eben von Farnkraut. Siehe Aichach von der Eiche! Aber schauen wir uns doch das Schloss in Farnach an. 1702 heißt es hierzu „Adelicher Süz Farmach“.

Als quasi jugendlichen Ort sehen die Ortsnamenspezialisten Ofenwinkl. Diese Einöde ist erst nach 1810 entstanden und bezeichnet laut Bernrieder – Winkel – ein abseits gelegenes Gebäude. „Ofen“ bleibt vorerst ungeklärt. „Auf dem Winkel“? Aber jetzt geht’s auf nach Farnach und Riedering!

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