Ein Liederabend voller Emotionen

von Redaktion

Berührender Abend mit Sopranistin Sarah Wegener und Pianist Götz Payer bei den Traunsteiner Sommerkonzerten

Traunstein – Nur zwei Akteure befanden sich auf der Bühne im Kulturforum Klosterkirche – die Sopranistin Sarah Wegener und ihr kongenialer Partner am Klavier, Götz Payer. An dem schönen Spätsommerabend war der Saal keineswegs ausverkauft – den Fehlenden entging zweifellos ein außergewöhnlicher Liederabend mit einem Programm weitab von den gewohnten, innig romantischen Liebesgesängen.

Vom ersten Auftreten auf der Bühne zog die immer natürlich wirkende Sängerin in ihren Bann: ihre unglaublich variationsreiche, volle, warme Sopranstimme beherrschte denkbaren Stimmnuancen und Emotionen – Liebesglut, sehnendes Verlangen, Zweifel, Enttäuschung, Trauer bis hin zur Verzweiflung und Todesverlangen.

Das leicht vom Programmheft abgewandelte Programm begann mit dem Lied für Sopransolo „La musique“ nach dem Text von Baudelaire des amerikanischen Komponisten Elliott Carter, bei dem Sarah Wegener nur durch ihre Stimme faszinierte. Mit zarter, gleichsam unauffälliger Klavierbegleitung folgte der Liederzyklus der sogenannten „Zigeunerlieder“ von Johannes Brahms,. Bei den temperamentvoll musizierten Liedern aus den Jahren 1889 und 1891 überwiegen ungarische Zweiviertelrhythmen, leidenschaftliche und melancholische Stimmungen, die Sarah Wegener – stets ohne Noten und Texte – in den Originalsprachen ausdrucksstark wiedergab.

Weich, einfühlsam und vollkommen harmonisch aufeinander abgestimmt, wurde sie am Steinway-Flügel begleitet von Götz Payer, Professor für das Fach Lied an der Staatlichen Hochschule für Musik und darstellende Kunst Stuttgart.

Vor der Pause erklang noch „Désir“ Nr. 9 aus den 1977/78 komponierten Recitations von Georges Aperghis, in denen Wegener – ohne Begleitung – sämtlichen Gefühlsäußerungen von Liebeslust und -leid leidenschaftlich direkt Ausdruck verlieh. Gleichsam zur Erholung folgten einige Lieder von Maurice Ravel und an deren Ende die allseits bekannte Habanera aus der Oper „Carmen“ von Georges Bizet „L’amour est un oiseau rebelle“.

Ein ebenso außergewöhnliches Programm mit selten musizierten Perlen der Liedliteratur erwartete die Besucher im zweiten Teil. Das sehnsüchtige „Nachtgebet der Braut“ von Anton Webern aus den „Drei Gedichte für Gesang und Klavier“ mit Texten von Richard Dehmel war ebenso zu hören wie „Laue Sommernacht“ von Alma Mahler-Werfel, in dem das heimliche Treffen der Liebenden bei Nacht beschrieben wird. Selten aufgeführt auch die folgenden Lieder von Alexander von Zemlinsky „In der Sonnengasse zu St. Goar“ aus den „Zwei Brettl-Liedern von 1901 und von Arnold Schönberg aus der Reihe Galathea „Ach, wie brenn ich vor Verlangen“ nach dem Gedicht von Frank Wedekind. Den krönenden Abschluss bildete ein Liederzyklus mit Gesängen von Richard Strauss, der von „Heimliche Aufforderung“ über „Ständchen“ und „An die Nacht“ – „Heilige Nacht“, wie Wegener flehte – reichte.

Nach dem letzten Ton brach das begeisterte Publikum in applaudierenden Jubel aus, der nur langsam verebbte. Als kleine Zugabe erklang dann Richard Strauss´ unvergessene, berühmte „Zueignung“, und dann noch zu dritt – mit dem Intendanten der Sommerkonzerte, Maximilian Hornung am Cello – beschloss die schwermütige „Elegie“ von Jules Massenet den unvergesslichen Abend. Christiane Giesen

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