Eine große Klangpoetin

von Redaktion

Mona Asuka besticht als Pianistin bei ihren „Inselkonzerten“

Chiemsee – Es ist ein großes Missverständnis, dass Franz Liszt manche Lieder von Franz Schubert für Solo-Klavier transkribiert hat. Er hat diese Lieder nicht einfach bearbeitet, sondern reflektiert. Das Ergebnis ist nicht mehr Schubert, sondern schon der ureigene Liszt. Wenn eine Interpretation richtig gut läuft, erwächst reinste Tonpoesie. Das Klavier weitet sich fast schon zu einem hochromantischen Orchesterklang, ohne den kantablen Lyrismus zu verlieren.

Klangsinnliche
Ereignisdichte

Genau das hat jetzt die Pianistin Mona Asuka bei ihren „Inselkonzerten“ geradezu beispielhaft verlebendigt. Mit den von Liszt reflektierten Schubert-Lieder „Du bist die Ruh“ D 776 und das berühmte „Ständchen“ D 889 hatte sie sich viel vorgenommen. Was da aber im Bibliothekssaal des Chorherrenstifts auf der Herreninsel im Chiemsee erwuchs, das war eine überaus klangsinnliche, farbenreiche Ereignisdichte.

Mona Asuka hat ein stupendes Gespür für Stimmungen und Atmosphären, geradezu unerhört ihre Sensibilität für subtile Schwankungen. Mit diesem Profil ist Asuka die passende Stimme für Liszt, wie sich auch im großen Zyklus „Venezia e Napoli“ S.159 zeigte. Sie tappte nicht in die Falle einer hochvirtuosen Tastenakrobatik, sondern entschlackte die Musik nuancenreich. Die Gestaltungen Asukas machten zudem deutlich, was auch für die Schubert-Lieder gilt. Hier reflektiert Liszt zwar Volkstöne aus Italien, verfremdet und wandelt sie aber. Asuka machte hörbar, wie sehr das Italien von Liszt ein stilisierter Ort romantischer Sehnsucht ist.

Es war Asukas allererstes eigenes Konzert als neue Leiterin der „Inselkonzerte“. Für diesen Einstand hat sich Prominenz eingefunden, darunter Anke Hellmann. Als Kulturreferentin des Landkreises Rosenheim hat sie sich sehr dafür eingesetzt, dass die „Umwelt-Kultur-Sozial-Stiftung“ des Landkreises diese schmucke Reihe auch nach dem Leitungswechsel weiter unterstützt.

Sie habe nicht groß überzeugt werden müssen, so Hellmann auf Nachfrage, ist begeistert von Asuka. Das sagte Hellmann in der Pause, als Asuka zuvor die Mozart-Klaviersonaten Nr. 5 KV 283 und Nr. 12 KV 332 interpretiert hatte. Auch hier punktete Asuka mit hellhöriger Entschlackung. Da wurde nichts romantisiert, klare Artikulation statt Legato-Fetisch, fließend die Tempi. Ein Humor war zu erleben, in dem ganz subtil feine Melancholie träumte.

In der Klaviersonate Nr. 12 KV 332 hat Asuka gleichzeitig die dramatischen Effekte dynamisch geschärft, wie sie Mozart später in seinem „Don Giovanni“ ausbauen wird. Schon Asukas Mozart nahm gefangen, doch Liszt wurde ein großes Hörereignis. Als Zugabe folgten eine Transkription aus der Bach-Kantate „Schafe können sicher weiden“ BWV 208 und der Bach-Choral „Jesus bleibt meine Freude“. Beides ist Teil von Asukas aktueller Tour „Bach in Space“.

Staatlich
geprüfte Muffins

Vor den Zugaben erzählte Asuka dem Publikum, wie glücklich sie sei, die „Inselkonzerte“ weiterzuführen. Und sie berichtete von den Tücken deutscher Bürokratie. Ihre heißbegehrten, selbstgebackenen, kostenlosen Muffins durfte sie in den Pausen der „Inselkonzerte“ erst nach einer staatlichen Prüfung anbieten, aber: „Überall bin ich auf wunderbare, hilfsbereite Menschen gestoßen.“ Auch für diese Worte gab es großen Beifall.

Schon am 28. September folgt das nächste „Inselkonzert“, diesmal mit dem früheren Rosenheimer Herbert Schuch.

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