Bad Aibling – Schon immer malt und zeichnet Christoph Drexler Landschaften – karge Landstriche in matten Farben. Sie sind unverkennbar in ihrer gewollten und gekonnten Schlichtheit. Es gibt keine Himmelskörper auf den Werken, aber die Tages- und Jahreszeiten lassen sich von der Farbe des Himmels oder vom Schattenwurf der Häuser ablesen.
Man möchte in diesen ruhigen Landschaften, in denen nichts vom Wesentlichen ablenkt, spazieren gehen und seine Gedanken ordnen. Denn das ist der Anspruch, den diese Bilder besitzen: Sie reduzieren auch den Menschen mit seinem Denken auf das Wesentliche. Berge, Wiesen und Häuser – immer wieder Häuser – sind abgebildet. Es kann sich um Wohnhäuser handeln, die zum Verweilen einladen, aber mehrheitlich sind es Stadl und Schuppen, wie die Landwirtschaft sie benötigt.
Selten stehen die Gebäude im Zentrum des Werkes, oftmals sind sie weit an die Außenkante gerückt. So muss man auf dem Bild „Ufer mit fünf Häusern“ die an den Rand gemalten Gebäude suchen, denn sie ragen nur knapp ins Gemälde herein. Dann gibt es dunkle, schwere Gebirgsmassive, einen Park mit einer Wegkreuzung und schneebedeckte Gipfel, die frösteln lassen. Denn auch das kann Drexler: mit wenigen Linien Atmosphäre schaffen.
In dieser Ausstellung – es ist die sechste in der Villa Maria – spielt zum ersten Mal das Wasser eine Rolle: Genau so wie Wiesen und Erdreich ist es mit pastosem Strich gemalt und von starker Präsenz. Und siehe da: Völlig unerwartet sind zwei Menschen auf den sonst menschenleeren Bildern von Christoph Drexler abgebildet. Sie sitzen in einem Kahn auf einem ruhigen Gewässer, auch hier ist der meditative Charakter das wesentliche Element.
Drexler benutzt nur Ölfarben, der Malgrund ist Leinwand oder Karton. Die auf Karton gestalteten Arbeiten sind hinter Glas gerahmt und erhalten so eine besondere Tiefe, die die Landschaft noch lebendiger wirken lässt.
Drexler studierte von 1977 bis 1983 bei Professor Horst Sauerbruch an der Akademie der Bildenden Künste in München. Eine Vielzahl von Ausstellungen im In- und Ausland, außerdem Preise und Stipendien begleiten seinen künstlerischen Weg.
Maja Vogl kombiniert das traditionsreiche Handwerk des Webens mit moderner Kunst. Seit 1977 arbeitet sie im eigenen Atelier und fertigt ihre Schals und Tücher. Einen Schal, ein Tuch von Maja Vogl zu tragen, bedeutet, ein Kunstwerk zu tragen. Alleine das Aufspannen der Kette dauert eine ganze Woche, so zart sind die Fäden. Zur Verwendung bringt sie Schappe- oder Haspelseide, die das Licht auffängt und wiedergibt. Es sind nicht nur die strahlenden Farben, die Vogls Tücher so beliebt machen, sondern auch ihre raffinierten Kombinationen und Muster. 2008 erhielt sie für ihre Arbeiten den Bayerischen Staatspreis, 2011 den Danner Ehrenpreis.
In dieser Ausstellung präsentiert die Künstlerin Wickelbilder: kleine, über Pappkarton gewickelte Werke, bei denen sie dünne Seidenfäden dicht an dicht wickelt und so kleine Bildwerke schafft. Es ist eine Vorarbeit zum Gestalten der eigentlichen Kunstwerke, die Maja Vogl hier zur Kunst erhebt. Diese Bilder erinnern an die Arbeiten von Scully, dem Irisch-amerikanischen Maler oder Rothko, dem Wegbereiter der Farbfeldmalerei. Nur einige wenige dieser kleinen, an Landschaften erinnernden Werke hängen in der Ausstellung, aber sie machen sich deutlich bemerkbar durch ihre intensive Farbigkeit. Sie assoziieren Wiesen, farbige Landstriche oder den Himmel in verschiedenen Blautönen und strahlen auf ihre Weise die gleiche Ruhe und Besonnenheit aus wie Drexlers Arbeiten. Und das macht die Ausstellung zu einem perfekten Erlebnis, in der jeder Betrachter seine Weise findet, die Welt wahrzunehmen. Ute Bößwetter