„Wir spielen mit dem Wind in der Tasche“

von Redaktion

Am kommenden Montag ist Mulo Francel mit „Die Abenteurer“ in der Dynafit Speed Factory in Kiefersfelden zu Gast

Kiefersfelden – Das Trio „Die Abenteurer“ gastiert am Montag, 6. Oktober, um 19 Uhr mit seinem Programm „Musica della Strada“ in der Reihe „Montag und Musik“. Der Saxofonist und Klarinettist Mulo Francel – bekannt von Quadro Nuevo – kehrt gemeinsam mit Andreas Binder am Waldhorn und Philipp Sterzer an der Flöte nach Kiefersfelden zurück. Ihre Musik bewegt sich fernab starrer Kategorien – zwischen Zirkusmelodie und Kammermusik, Balkanrhythmus und Jazzpoesie. Im Interview spricht Mulo Francel über Klangfreiheit, gelebte Freundschaft und das besondere Zusammenspiel der drei Musiker.

Herr Francel, „Die Abenteurer“ – das klingt nach Fernweh, Entdeckungslust und ein bisschen Lebensphilosophie. Was steckt hinter diesem Namen?

Genau das! Der Name ist so etwas wie ein musikalisches Bekenntnis. Wir drei – Philipp, Andreas und ich – sind seit unserer Schulzeit immer wieder zusammen unterwegs. Ursprünglich waren wir ab 1987 der Bläsersatz der Rosenheimer Schülerband „Mind Games“. Wir haben dann zu dritt auf Straßen gespielt, auf Festivalbühnen, in Krankenhäusern, in Kneipen. Immer mit unseren Blasinstrumenten im Gepäck und dem Wind in der Tasche. „Abenteuer“ meint für uns das Hinausgehen in neue Räume und Klangwelten – ohne zu wissen, was passiert. Das gilt für unsere Reisen genauso wie für die Musik selbst.

Ihre Musik entzieht sich klaren Kategorien: Mal klingt sie nach Zirkus, dann wieder nach Jazz oder Klassik. Wie entsteht dieser eigenwillige Stil?

Wir nehmen uns die Freiheit, einfach alles zuzulassen. Die Instrumentierung mit Saxofon, Waldhorn und Flöte ist schon ungewöhnlich – und genau das reizt uns. Wir klingen manchmal wie eine süditalienische Hochzeitskapelle, dann wie der Bläsersatz einer Rock-Band, im nächsten Moment wie melancholische Serenaden-Spieler. Jeder bringt seine Geschichte mit: Philipp kommt von der Jazzflöte, Andreas ist mit seinem Horn in der Klassik verankert, und ich habe mit Quadro Nuevo viele musikalische Welten durchwandert. Diese Mischung ergibt eine sehr persönliche Klangsprache – intensiv, archaisch und aus unserer Perspektive sehr ehrlich.

Sie sprechen oft von Freundschaft – in Ihren Texten, auf der Bühne, in der Musik. Ist das mehr als ein schöner Gedanke?

Absolut. Wir haben viel gemeinsam erlebt. Ich glaube, das hört man in unserer Musik. Sie funktioniert nur, weil wir uns vertrauen können. Wir improvisieren viel und reagieren aufeinander. Ohne dieses gewachsene Miteinander, ohne Humor und gegenseitigen Respekt würde nichts entstehen.

Ihre Konzerte gelten als „kleine Kostbarkeiten“. Was erwartet das Publikum in Kiefersfelden?

Am besten ist es, wenn das Publikum ohne spezielle Erwartungshaltung ist. Mit offenen Ohren für unsere Musikstücke. Sie erzählen Geschichten ohne Worte, die jeder versteht. Die Dynafit Speed Factory ist hierfür ein besonderer Ort – industriell, kraftvoll, offen. Genau richtig für unsere Musik, die nicht unbedingt eine ordentliche Bühne im klassischen Sinne braucht.

Und was kommt nach dem Konzert? Neue Abenteuer?

Immer! Wir arbeiten an neuen Stücken, vielleicht gibt’s eine kleine Liveaufnahme. Und wahrscheinlich zieht es uns auch bald wieder in irgendein Land, dessen Namen wir noch nicht richtig aussprechen können. Aber zuerst: Kiefersfelden. Montagabend. Musik und Kunst. Was will man mehr? interview volkhard steffenhagen

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