Rosenheim – Mit einem selbstgebauten Wohnmobil kamen Peter Martinus Dillen und seine Frau Marianne 1930 aus den Niederlanden in Rosenheim an. Das Fahrzeug hatte der bildende Künstler im Tausch gegen zwei Kunstwerke erstanden. Bereits als junger Mann hatte Dillen einen hohen Bekanntheitsgrad erlangt, konnte an der königlichen Akademie in Amsterdam studieren und er erhielt ein eigenes Atelier. Von einer Ausstellung in Amsterdam verkaufte Dillen sämtliche Kunstwerke – sage und schreibe 98 Werke, so Kuratorin Elisabeth Rechenauer in ihrer Einführung zur aktuellen Rosenheimer Ausstellung.
Am neuen Wohnort fand Dillen schnell Anschluss. Er beteiligte sich 1932 an der Jahresausstellung des Kunstvereins. Die Städtische Galerie zeigte 1980, fünf Jahre vor seinem Tod, eine große Retrospektive.
Engagierter
Umweltschützer
1938 kam der Sohn Rainer Dillen auf die Welt. Er machte eine Ausbildung als Druckgrafiker, wandte sich aber zunehmend der eigenen künstlerischen Arbeit zu, es entstanden Porträts. Mit Josef Hamberger und Heinz Kaufmann stellte er 1967 in der Städtischen Galerie aus. 1970 besuchte er auf einer Japanreise Hiroshima, nach seiner Rückkehr war er einer der Gründer des Rosenheimer Forums für Städtebau und Umweltfragen – dieses engagierte sich auch gegen einen Bau eines Atomkraftwerks bei Marienberg. In der Malerei widmet er sich der Natur, ihn interessierte die Pflanzenwelt, zunehmend der Mensch in seiner Einbettung in den Kosmos. 2019 starb Rainer Dillen in seinem Haus in Rosenheim.
Die Städtische Galerie würdigt aktuell das Arbeiten und Leben von Vater und Sohn Dillen mit einer großen posthumen Duo-Ausstellung, die das Spektrum des reichhaltigen Schaffens abbildet. Kuratorin Elisabeth Rechenauer und Dr, Andreas Schalhorn vom Kupferstichkabinett führten in das Werk ein, Lehrkräfte der Musikschule begleiteten die Vernissage mit einer „Klangwolke“.
Der Eingangsraum der Galerie zeigt großformatige Bilder von Rainer Dillen wie „Männliche und weibliche Figur vor Landschaft“ (Aquatec auf Leinwand, 1977) und die magisch anmutende „Nachtwandlerin“ aus dem Jahr 1979. Wie Dr. Schalhorn anmerkte, sind viele Motive Dillens lanzettförmig angelegt, so auch in den Bildern „Boot mit liegender Figur“ (2003), darunter das 20 Jahre vorher entstandene „Boot“. Um die niederländisch-rosenheimerische Familiengeschichte abzubilden, stellte die Galerie das „Umzugsauto“ mitten in den Raum.
Im nächsten Saal sind großformatige Porträts Rainer Dillens zu finden, der Künstlerkollegen wie Hans Schnuttenbach und Erika Maria Lankes malte, mit satirischen Zügen. Drei Säle gehören dem Vater: Zunächst betrachtet man akurat dargestellte Pflanzendetails, aber auch eine Skulpturstudie. Herausragend sind die Radierungen von Peter Martinus Dillen, die Porträts zeigen. Sie sind voller Ausdruck, Bewegung und Konturen, darunter sein Selbstporträt. Ein größerer Raum präsentiert Gemälde, aus dem Bild „Bauerngehöft mit Kornfeld“ (1960) wird die eigene ländliche Herkunft deutlich. Ein guter kuratorischer Einfall ist das Zeigen der vor 1930 entstandenen „jungen Frau“ als Ölgemälde auf einer Spanplatte, den Schaffensprozess deutet die Staffelei an.
Die zwei folgenden großen Räume zeigen Werke von Rainer Dillen: In Saal 6 bannen großformatige figürliche Darstellungen den Blick, wie das „Paar vor der Landschaft“ oder ein „Akt mit Mond“. Hier wird die Einbettung menschlicher Existenz in das Gesamt, in den Kosmos deutlich, die Bilder zeigen Menschen in der Natur.
Viele Werke der Ausstellung sind übrigens käuflich zu erstehen, doch es gibt Ausnahmen, die in Familienhand bleiben, wie „Adam und Eva“ oder der „Hügel über dem Mond“.
Beim Wechsel in den nächsten Raum wird die künstlerische Entwicklung Dillens transparent, denn Saal 7 präsentiert jetzt abstrakte Werke mit Dominanz der Linienführung. Manche Farben laufen noch flächig aus, so Dr. Schalhorn eingangs, er hatte Dillen mit dem amerikanischen Maler Mark Rothko verglichen. Einfach mal in der Tür zwischen Saal 6 und 7 stehen und den Blick schweifen lassen – frappierend!
Spuren
in der Stadt
Der Abschluss dokumentiert das lokalpolitische Engagement und die Spuren Dillens in der Stadt. Denn außer seinem Engagement gegen Bausünden und für eine lebenswerte Stadtumgebung gestaltete er selbst Skulpturen und das großflächige Relief der Jeanne d‘Arc im Erweiterungsbau der Mädchenrealschule. So vernetzt die Galerie mit ihrem Team einzelne Werke Rainer Dillens mit seinen „Spuren“ in der Stadt, die präsent sind – viele Besucher der Eröffnung hatten noch persönlichen Kontakt zum Künstler.