Bruckmühl – Besonders im Herbst fahren viele Oberbayern nach Südtirol: Wein, Speck, Käse und Vintschgerl ziehen uns in die Berge und Täler „hinter“ den Brenner. Im ehemaligen „Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern“ in Bruckmühl hatten wir zahlreiche Materialien zu Südtirol gesammelt. Das waren beispielsweise auch die eigenen Aufzeichnungen und musikalischen Erlebnisse, die wir als junge Musikanten bei unseren Reisen über Sterzing und Brixen auf den Ritten zusammengetragen hatten – ebenso wie die historischen Bezüge von Bayern nach Südtirol. Da ging es um Andreas Hofer, die Franzosen und Bayern in den Napoleonischen Kriegen – aber auch die Südtirol-Kämpfer in den 1960er- und 1970er-Jahren.
1. „Gott hat alles recht gemacht durch seine Händ‘. Er erschafft Tag und Nacht das Firmament.“
Dieses geistliche Volkslied aus der Sammlung von Franz Friedrich Kohl (1851 bis 1924), um 1900 in Kastelruth aufgezeichnet, mag die volksmusikalische Beziehung zwischen den Oberbayern und den Südtirolern andeuten. Wastl Fanderl hat es als erstes Lied in den 1950er-Jahren in seine Liederbögen aufgenommen, mit denen er die Menschen zum eigenen Singen anregen wollte. Seine Singwochen hat Fanderl in den 1960er-Jahren dann vom Chiemgau auf den Ritten und ins Pustertal verlegt. Tausende oberbayerische Volksmusikfreunde waren dabei und festigten die persönlichen Beziehungen zu den Südtiroler Sängern und Musikanten, die auch nach Oberbayern kamen. Nach dem Krieg war in den 1950 er-Jahren der junge Oberhöller Sepp beim Kiem Pauli hinten in Wildbad Kreuth, lernte das Zitherspiel und was der Kiem Pauli zum Volkslied zu sagen hatte. Ganz wesentlich waren auch die Aufzeichnung von Liedern, Instrumentalmusik, Tänzen, Bräuchen und Kinderspielen, die das Ehepaar Horak beginnend in den 1940er-Jahren in Südtirol gemacht – und in die Volksmusikpflege eingebracht hat.
2. „Die Blumen auf Erden aufwachsen mit Freud. Alles muss werden wenn kommet die Zeit.“
Am 14. Oktober machen wir eine fiktive Südtirolfahrt anhand der Aufzeichnungen von Liedern, Melodien und Bräuchen, die Karl (1908 bis 1992) und Grete (1908 bis 1996) Horak vor allem in den 1940er-Jahren im Pustertal, im Ahrntal, in Tauferertal und den angrenzenden Tälern und Höhen gemacht haben. Das Ehepaar Horak gehört zu den bedeutendsten österreichischen Forschern im 20. Jahrhundert. Schon ab Ende der 1970er-Jahre durften wir jungen oberbayerischen Volksmusikarbeiter sehr viel von ihnen lernen – und wir erhielten in Freundschaft und Vertrauen ihre Sammlung für das neugegründete „Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern“.
In der nächsten Zeit will der „Förderverein Volksmusik Oberbayern“ in der Reihe „Wissen Volksmusik“ nach und nach die Sammlung Horak anhand der für die Volksmusikpflege erarbeiteten Publikationen bekannt machen, die Arbeitsweise ihrer Feldforschung kennenlernen – ebenso wie die politische Situation und die Widrigkeiten, mit denen sie zu kämpfen hatten.
„3. Der Weinstock bringt Reben, die Bäum tragen Frücht. Alles muss leben wie Gott es befielcht.“
An diesem ersten Abend am Dienstag, 14. Oktober, im Büro des Fördervereins Volksmusik Oberbayern (Anmeldung unbedingt erforderlich: 83052 Bruckmühl, Pfarrweg 11, Telefon 08062/ 8078307, ernst.schusser@heimatpfleger.bayern) um 19 Uhr erhält jeder Teilnehmer kostenlos den Band 23 der Reihe „Auf den Spuren …“, den wir für die zweite Exkursion des Volksmusikarchivs nach Südtirol im Jahr 2011 mit den Aufzeichnungen von Karl und Grete Horak (639 Seiten) erarbeitet haben. Daraus werden viele Lieder gesungen – die Teilnehmer können Wein, Brot, Speck und Käse mitbringen.