Der Kiem Pauli hätte seine helle Freude gehabt

von Redaktion

Auf dem Volksmusikschiff auf dem Chiemsee ist unverfälschte alpenländische Volksmusik geboten

Prien – Der Kiem Pauli hätte seine helle Freude daran gehabt, auf dem „Herbst-Volksmusikschiff“ festzustellen, dass seine Leitgedanken von Sängern und Musikanten auch heute noch gelebt werden. „Vergesst nie“, so sein Rat, „dass zum Volkslied der ganze Mensch gehört. Heimatliebe, Brauch, Sitte, Bescheidenheit, gepaart mit einem gewissen Stolz, der sich nie des Vorteils halber erniedrigt.“

Wenn das auf jemanden zutrifft, dann sind das mit Sicherheit die Geschwister Estner aus Wall im Landkreis Miesbach, die in ihrer neuen „Formation“ im Dreigesang mit Bruder Marinus (Marini) zum ersten Mal als Mitwirkende auf der „MS Edeltraud“ dabei waren. Sie pflegen jenseits des Zeitgeistes, dem auch die Volksliedbewegung nicht ganz entgehen konnte, weiter ihr altüberliefertes rares Liedgut. Ihr auf der „Edeltraud“ zu Gehör gebrachtes „Iatz fahr ma unsern Habern hoam“, würde in der gediegenen Vortragsart ohne Weiteres in jeden Dankgottesdienst passen. Kurz gesagt: Bei den dreien stimmt eben alles.

So sahen es auch die meisten der 250 Schiffspassagiere. Wenn sie dann noch einfühlsam und wohltemperiert von einer Gruppe wie der „Boarischen Alm Musi“ mit Manfred Wörnle (Zither), Simone Lahner (Zither) und Albert Lahner (Kontragitarre) begleitet werden, ist alles erreicht, was neben dem überlieferten alpenländischen Volkslied nur wenige Vortragsgattungen zu bieten vermögen. Aus Manfred Wörnles Feder stammten dann auch alle Musikstücke, die die „Boarische Alm Musi“ während der Schifffahrt aus ihrem reichen Melodienschatz dargeboten hat.

Was eingangs über die Geschwister Estner im Hinblick auf Kiem Paulis Ermahnungen gesagt wurde, trifft in gleicher Weise auch auf den Gitarristen Heinz Neumaier aus Dachau zu, der diesmal mit seinem kongenialen Musikschüler Markus Köhl aus Karlsfeld bei München im Gitarrenduo zu hören war – spontane Liedbegleitung eingeschlossen. Neben seiner „Tätigkeit“ als Dirigent des Dachauer Zitherclubs, Begründer der Feichthof Soatnmusi sowie der Gröbenbachmusi und anderer hörenswerter „Formationen“ schreibt Heinz Neumaier seit langer Zeit Saitenstückl von besonderer Qualität und gibt dazu passende Notenbücher heraus. Viele davon sind bereits „Volksgut“ geworden.

Marlene Anner hatte auch diesmal wieder als Organisatorin mit viel Geschick, Sorgfalt und Sachverstand einen bunten Strauß aus namhaften Mitwirkenden gebunden. Sie ist und bleibt die „Seele“ des Volksmusikschiffs.

Das Nachbarland Österreich wurde würdig vertreten durch den „Thalpichler Dreigesang“ aus der Gegend von Nußdorf am Haunsberg und die „Halthäusl Musi“ aus dem Bereich Seeham und Mattsee im Obertrumer Seenland. Der Gruppenname „Thalpichler“ setzt sich aus zwei ineinander geflochtenen Familiennamen zusammen und die „Halthäuslmusi“ nennt sich nach einem alten, heute nicht mehr existierenden „Bauernsachl“ in ihrer Region.

Die drei jungen Mütter des Thalpichler Dreigesangs mit Eva Breckner (erste Stimme), Andrea Pircher (zweite Stimme) und Nina Kreiseder (dritte Stimme) wurden von Josef Pertl aus Ainring auf der Diatonischen Harmonika stimmig begleitet. Aus ihrem reichhaltigen Liederschatz brachten sie sowohl frech-fröhliche Gsangl wie auch zur herbstlichen Jahreszeit oder einem bestimmten Anlass angemessene, ruhigere Lieder zu Gehör.

Gespannte Aufmerksamkeit unter den Zuhörern war der verdiente Lohn für ihre gut miteinander harmonierenden, glockenhellen Singstimmen.

Frisch und frei „von der Leber weg“, so präsentierten sich die Musikanten der „Halthäusl Musi“, sowohl in der Stammformation mit zwei Diatonischen Harmonikas, Gitarre und Bassgeige, wie auch in anderen, wohlklingenden Besetzungen. Die vier „Erzmusikanten“ waren erstmals als Mitwirkende auf einem der Volksmusikschiffe dabei. Einhelliges Urteil des Publikums: „Eine echte Bereicherung.“

Bleiben noch die Reichersdorfer Sänger aus der Gegend unterhalb des Irschenbergs, nahe des Seehamer Sees. Der seit 1988 bestehende Männergesang war schon mehrfach unter den Akteuren. Begleitet von Andrea Salchegger auf dem Akkordeon gab es von den drei Brüdern Hans, Schorsch und Klaus Ellmeier, zusammen mit ihrem Vetter Schorsch Berwanger aus der „Auerschmid“, kraftvolle Wirtshaus-, Jager-, Handwerks- und Liabsliada zu hören. Dass sie alle eine helle Freude am Zusammensingen haben, war nicht zu übersehen. Auch sie stellte Siegi Götze mit launigen Worten vor.

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