Klangvolle Begegnung im Kloster Reisach

von Redaktion

Mozarts Reiseklavier erzählt von nächtlichen Kompositionen, Konzerten in Fürstenhäusern und einer Reise nach Paris

Oberaudorf – Mit der szenischen Lesung „Mozarts Klavier“ verwandelte sich das voll besetzte Refektorium des Klosters Reisach in einen Ort lebendiger Musikgeschichte.

Der international renommierte Dirigent und Musikwissenschaftler Georg Mais, Gründer des Kammerorchesters Divertimento 85 und künstlerischer Leiter des Mozart-Sommers Schloss Salem, eröffnete den Abend mit einer poetischen Reflexion: Jeder Musiker, so Mais, träume davon, einem großen Komponisten wie Mozart beim Entstehen seiner Werke zusehen zu dürfen. Vielleicht, so sinnierte er, wäre man gern das Notenblatt, der Bleistift – oder gar das kleine Reiseklavier, das Mozart stets bei sich trug.

Dieses Instrument, Zeuge seiner Reisen und seines Schaffens, ließ Georg Mais nun in seiner Lesung zu Wort kommen. In einem humorvoll-poetischen Monolog erzählte es von nächtlichen Kompositionen, Konzerten in Fürstenhäusern und der Reise nach Paris, die Mozart gemeinsam mit seiner Mutter unternahm, eine Reise, die ihn berühmt machen sollte und tragisch endete. Die Lesung spielte gekonnt mit historischen Fakten und Fantasie, war unterhaltsam und zugleich berührend.

Musikalisch ergänzt wurde der Abend durch Werke von Mozart und seinen Zeitgenossen, einfühlsam interpretiert von Katharina Schmitz (Violine) und Immo Schaar (Viola).

Schon im eröffnenden Duo G-Dur KV 423 von Wolfgang Amadeus Mozart zeigten beide, wie ein musikalischer Dialog klingen kann, der gleichermaßen geistreich wie ausgewogen geführt wird. Die Balance zwischen virtuosen Passagen der Violine und den dialogischen Linien der Viola gelang ihnen mit spielerischer Leichtigkeit.

Kontrastreich erklang das Adagio aus Alessandro Rollas Duo Concertant op. 4 Nr. 2, in dem Schmitz’ Violine mit lyrischem Schmelz und Schaars Viola mit warmem Legato zu einem beinahe vokalen Zwiegesang fanden.

Heiterer zeigte sich Franz Alexander Pössingers Duo op. 4 Nr. 1, dessen Larghetto Cantabile in gesanglicher Ruhe erstrahlte und dessen Scherzo Allegretto mit tänzerischer Eleganz aufhorchen ließ. Pössinger (1766 bis 1827), Wiener Geiger und Militärkapellmeister, stand im weiteren Umfeld Mozarts und machte sich vor allem durch Bearbeitungen von dessen Sinfonien für kleinere Besetzungen einen Namen. Besonders eindrucksvoll war in diesem Werk eine Passage, in der Violine und Viola im Unisono pizzicato spielten – eine Stelle, die äußerste Präzision verlangt, da jeder Ton zugleich rhythmisch exakt und klanglich verschmolzen erklingen muss. Mit vollkommener Synchronität und feiner Balance zwischen heller Violine und warmer Bratsche meisterten Schmitz und Schaar diese heikle Stelle. Mit den Duos aus Pleyels op. 44 bewiesen die Musiker Spielfreude und technische Meisterschaft im präzisen Ineinandergreifen der Stimmen.

Einen besonderen Akzent setzte die zweistimmige Invention BWV 775 von Johann Sebastian Bach: scheinbar schlicht, doch von hoher kompositorischer Strenge, meisterten Schmitz und Schaar sie mit glasklarer Präzision. Den Abschluss bildete Mozarts Rondo aus KV 423, das mit Witz, Eleganz und vollendeter Tempodisziplin den Bogen schloss.

So entstand ein Abend, der Historie, Fantasie und Virtuosität verband. Eine Lesung, die Mozart auf berührende Weise erfahrbar machte, und ein Konzert, das zur Lehrstunde in kammermusikalischer Kommunikation wurde – präzise, leidenschaftlich und getragen von feinsinnigem Humor. Volkhard Steffenhagen

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