Rosenheim/Bruckmühl – Der Musiker und Pädagoge Leo Meixner beendete Ende September nach vier Jahren seine Tätigkeit für den Bezirk Oberbayern im inzwischen umbenannten Bruckmühler Volksmusikarchiv. Die OVB-Heimatzeitungen sprachen mit ihm über seine dortige Arbeit und neue Pläne.
Lieber Herr Meixner, nach Ihrer Bühnenkarriere waren Sie seit 2021 für den Bezirk Oberbayern als Volksmusikpfleger tätig. Was macht denn das Zentrum für Volksmusik, Literatur und Popularmusik in Bruckmühl?
Als freischaffender Musiker war ich seit 2016 im Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern nebenbei als freier Mitarbeiter tätig. Dadurch habe ich mich über einige Jahre in die Volksmusikpflege eingearbeitet. Der Name des Volksmusikarchivs wurde 2020 in „Zentrum für Volksmusik, Literatur und Popularmusik“ geändert. Damit verbunden war auch eine sogenannte „Neuausrichtung“. Es kamen neue Inhalte wie Popularmusik und Literatur hinzu. Dazu wurde auch der Archivbereich aus der Volksmusikpflege herausgelöst. Diese Veränderungen waren aber nicht so leicht umzusetzen. Die Volksmusikpflege führt eine Vielzahl von Veranstaltungen und Bildungsangeboten durch, veröffentlicht Lieder und Noten und trägt durch aktive Präsenz sehr zur Außendarstellung dieses neuen Instituts bei. Der Popularmusikbeauftragte führt Veranstaltungen im Bereich Pop/Rock/ Jazz durch und fördert und berät Musikgruppen im Bereich der populären Musik. Der Bereich Archiv ist für die Sammlungen und Nachlässe sowie deren Aufarbeitung zuständig. Viele Inhalte im Bereich Literatur gibt es bis dato nicht. Dies soll aber in den nächsten Jahren aufgebaut werden. Im Zuge von schon vor einigen Jahren stattgefundenen Ankäufen von Nachbargebäuden, die gerade saniert, modernisiert und zu einem neuen repräsentativen Gebäudekomplex umgebaut werden, wird hier das neue Zentrum in ein paar Jahren eröffnet.
Und was genau waren Ihre persönlichen Aufgaben?
Ich leitete den Bereich der Volksmusikpflege und war Führungskraft für sieben Mitarbeitende. Dazu war ich stellvertretender Referatsleiter bzw. stellvertretender Leiter des „ZeMuLi“. Die Aufgaben als Volksmusikpfleger sind sehr zahlreich. Eines der wichtigsten Dinge ist der Kontakt zu den Menschen. Man muss als Volksmusikpfleger Präsenz zeigen und Netzwerke aufbauen für die Volksmusik in und um Oberbayern. Ein großer Teil der Arbeit ist die Planung und Durchführung von partizipativen Veranstaltungen, Infoabenden, Singstunden und vielem mehr. Dazu kommen die Vorbereitung und Durchführung von Fortbildungsmaßnahmen wie Seminare, Workshops oder Singtage. Als Volksmusikpfleger habe ich auch viele Publikationen mit meinem Team der Volksmusikpflege veröffentlichen können. Eine Aufgabe war es auch, volksmusikalische Inhalte, also Berichte, Fachbeiträge, Noten, Termine und anderes, für das mehrmals im Jahr erscheinende hauseigene Infomagazin zu generieren und redaktionell bei der Erstellung des Magazins mitzuwirken. Für die Volksmusikzeitschrift „zwiefach“ haben wir auch ab und an Beiträge verfasst. Ein weiterer Bereich ist die Forschung zur Volksmusik. Besonders die Feldforschung ist für den Erhalt von Wissen, Liedgut und Volksmusikpraxis ein wichtiger Bereich. Der Fokus der Volksmusikpflege liegt auch im Bereich der frei aufführbaren Volksmusik. Besonders im Bereich „GEMA und Volksmusik“ habe ich mit meinem Kollegen Martin Prochazka viel erreichen können. Die Beratung zur Volksmusik gehörte natürlich auch zu meinen Aufgaben. Hier erreichten uns täglich viele Anfragen per Mail, Telefon oder postalisch. Es können nicht alle Aufgaben hier genannt werden. Aber es ist ein sehr inhaltsreicher Job, der durch die Veränderungen der letzten Jahre ein Vielfaches an Verwaltungsaufwand hinzugewonnen hat.
Was war das Spannende an dieser Aufgabe?
Die Position des Volksmusikpflegers ist für mich in seiner Form als Fachberater und Botschafter der Volksmusik in Oberbayern mein Traumjob gewesen. Ich habe immer mein Herz bei meiner Arbeit auf der Straße gelassen. Ich liebe es, die Menschen kennenzulernen, mit ihnen zu singen und ihre Geschichten zu hören. Das hätte ich auch gerne länger gemacht. Jedoch entstand für mich durch die organisatorischen, strukturellen und inhaltlichen Veränderungen ein Arbeitsumfeld, welches meiner Vorstellung der traditionellen bürgernahen Volksmusikpflege nicht mehr entsprechen konnte.
Welche Rolle spielen neue Techniken wie Streamingportale in der Volksmusik?
Für die junge Szene der Volksmusikschaffenden spielt es wohl eine Rolle. Hier geht die Schere der schon eher kommerziell ausgerichteten „Volksmusik“-Gruppen und der Laienmusik in der Familie, in den Vereinen und Schulen weit auseinander. Die traditionelle Volksmusik kann solche Portale bespielen, jedoch lebt die Volksmusik in ihrer ursprünglichen regionalen Besonderheit eher woanders weiter. Volksmusik und Volksgesang ist Gebrauchsmusik. Sie ist Teil des alltäglichen Lebens und der Feste in Oberbayern. Hier wird sie gelebt und weitergetragen. Deswegen finde ich die Jugendarbeit und die Förderung des Laienmusizierens besonders wichtig.
Was sind Ihre neuen Pläne, geht es wieder verstärkt auf die Bühne?
Seit September bin ich wieder in der musikalischen Jugendarbeit als Musiklehrer tätig. Dazu unterrichte ich an verschiedenen Musikschulen die Blechblasinstrumente und leite zwei Bläserklassen. Nun soll es aber auch wieder mehr auf die Bühne gehen. Mit meiner Band „Cubaboarisch 2.0“ werde ich im nächsten Jahr an einem neuen Bühnenprogramm arbeiten. Es gibt viele Ideen und das Feuer brennt noch immer in mir. Es ist auch gut, wieder mehr Zeit für das kreative Musikschaffen zu haben. Nächstes Jahr soll auch ein neues „Cubaboarisch 2.0“-Album entstehen, mit dem wir 2027 auf Tournee gehen können. Meine Musik mit „Cubaboarisch 2.0“ ist für mich oft ein innerer Urlaub. Da steckt einfach viel Lebensfreude drin und ich kann hier meine Herkunft aus Oberbayern mit dem Interesse für die lateinamerikanische Musik verbinden. Mir ist dabei auch wichtig, dass es authentisch ist und den Zuhörern genauso Freude bereitet wie mir. Oiso: Vamos adelante!
Interview: Andreas Friedrich