Erl – Rund 500 Menschen auf der Bühne, über 100 helfende Hände und über 40000 Zuschauer – so fällt das überwältigende Resümee der Passionsspielgemeinde Erl aus. Am vergangenen Wochenende wurde die Dernière der Passionsspiele Erl gefeiert. Direkt im Anschluss wurden die Bärte und Haare von rund 150 Männern abgeschnitten: ein Symbol für die Rückkehr in den Alltag. Insgesamt sieben Friseurinnen waren dafür ehrenamtlich im Einsatz.
Die Probezeit mit Regisseur Martin Leutgeb war lang und intensiv. Er hatte es sich zur Aufgabe gemacht, mit jedem einzelnen Ensemblemitglied an der Rolle zu feilen, bis die Emotionen für alle Zuschauer spürbar werden.
Ein voller Erfolg, wie auch der Obmann des Passionsspielvereins Karl Anker bestätigt: „Die Auslastung ist von Woche zu Woche gestiegen. Vor allem, weil die Leute miteinander reden, weitererzählen, wie sehr es ihnen gefallen hat.“ Mit einer Auslastung von knapp 80 Prozent konnte man die Zahlen aus den vergangenen Jahren halten und bei einer jüngeren Zielgruppe sogar ausbauen. Zwei Zusatzvorstellungen mussten angesetzt werden.
Für Karl Anker, der auch auf der Bühne als Johannes der Täufer zu sehen war, ist es seine erste Saison als Obmann: „Für mich war das wirklich überwältigend. Dass wir das alle zusammen geschafft haben, das ist ganz besonders. Und jetzt, nach all der Zeit, spürt man auch eine Erleichterung. Dass es gut gegangen ist, dass wir das gemeinsam tragen konnten – das bewegt mich schon sehr.“ Die Stimmung in Erl ist gut, auch wenn man sich jetzt freut, wieder zur Routine zurückzukehren: „Ich möchte mich einfach bei allen bedanken. So viele haben ihre Freizeit geopfert, Privates hinten angestellt und waren ganz für die Spiele da. Besonders schön war es, dass ganze Familien dabei waren – vom Urgroßvater bis zum Urenkel. Dieser Zusammenhalt ist schon etwas, was Erl auszeichnet.“
Die nächsten Passionsspiele werden 2031 über die Bühne gehen. Es ist mit einer Wiederaufnahme der diesjährigen Inszenierung zu rechnen – wenn Leutgeb diese in einer neuen Besetzung wieder aufleben lassen möchte. Denn in sechs Jahren werden aus Knaben junge Männer, aus jungen Frauen Mütter – und manch einer wird dann in eine neue Rolle schlüpfen.ANDREA MARIA HÖLBL/RAINER W. JANKA