Vom Wurzelschlagen und Wachsen

von Redaktion

Zwei befreundete Traunsteiner schufen ihr erstes Bilderbuch: „Pusteblume“

Traunstein/Rosenheim – Verwandlung, Loslösen, auf Reisen gehen ins Unbekannte und Ungewisse, frei sein wollen, sich treiben lassen, selbstständig etwas wagen – wofür stehen die Samen einer Pusteblume denn noch? Für Widerstandskraft, Hoffnung, Einwurzeln. Und mehr.

Schon lange wartete Robert Heigls, ach was: des kleinen Bilderbuch-Buben Schirmflieger auf den Moment des Los-Segelns. Durch die Luft getragen werden von einer Brise. Die gar nicht daran denkt, zu verraten, wohin die Reise geht. In einen Bach, o je! Ins Gefieder eines bunten Vogels. Auf die Schnauze eines Fuchses. „He, Brise!“, ruft der kleine Held des bemerkenswerten Bilderbuches, „bring mich zu einer Wiese!“ Und freut sich schon allein darüber, dass ihm da ein kleiner Reim gelungen ist.

Manches Abenteuer fällt dem menschliche Züge tragenden Helden zu. Gefahrvolles, Verwirrendes, Poetisches, Absonderliches, Lustiges. Bis es soweit ist, dass aus dem Samen – „auf einer herrlich duftenden Wiese“ – ein Löwenzahn werden kann, dauert`s noch. Regen ist da nur willkommen. Der mutige Abenteurer muss wachsen, will ja wachsen. Und eine Blume werden.

Dazu ist es nötig, Wurzeln zu bilden. „Drei Tage und drei Nächte machte ich nichts anderes. Wurzeln. Trinken.“ Mit seinem eigenen Söhnchen machte Papa Robert Heigl, 1986 in Traunstein geboren, die Erfahrung, dass ein Pusteblume-Same Wurzel schlagen muss, um zum Löwenzahn zu werden. „Dieses simple, aber starke Bild“, so der Autor, sei in seine Überlegungen zu dem Bilderbuch eingeflossen. Er habe es „in der Hoffnung“ geschrieben, „dass die vorlesende Person und das (zuhörende) Kind durch die Geschichte … sich über ganz grundlegende Fragen“ austauschen.

Die schöne, tiefgehende, humorvolle Erzählung, die Sachliches mit Philosophischem auf unprätentiöse Weise mischt, geht mit den teils fantastischen, teils realistischen mehrfarbigen Bildern des in Hamburg aufgewachsenen Ingo Susemihl, der seit 30 Jahren in Traunstein wohnt, auf gelungene Weise konform. Dass darin das bayerische Voralpenland mit seiner Flora und Fauna mitspielen darf, dürfte kein Hindernis dafür sein, das Bilderbuch auch anderswo zum Anlass werden zu lassen, über Werden, Wachsen und Welken nachzudenken. Wem das von Layouterin Kathrin Beinlich gekonnt gesetzte Bilderbuch persönlich gehört, kann es mithilfe von Ingo Susemihls Bleistift-Skizzen malend ergänzen. Hans Gärtner

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