Aschau – Das Solotheater „Morgen und Abend“, ein Stück von Jon Fosse, dem norwegischen Literaturnobelpreisträger von 2023, gab den Auftakt zum Aschauer Kulturherbst in der Priental-Halle. Der Darmstädter Schauspieler Christian Wirmer hatte sich des Stoffs angenommen und diesen zu einem Solo-Theater umgearbeitet.
Ein hehres Unterfangen, denn im Original macht es Fosse dem Leser nicht leicht. Bis auf die erste Szene gewinnen nahezu alle Ereignisse ihre Konturen nur in der Fantasie und Gefühlswelt des erstaunt sein Sterben beobachtenden Fischers Johannes. Es fehlen Satzendepunkte, nur Kommata und Fragezeichen markieren die für den Leser wichtigen Status der erzählenden Sequenzen.
Eine Glanzleistung, dies umzuarbeiten, muss man Wirmer attestieren. Und nicht minder ansprechend, wie er es verstand, mit prägnanter Stimme, betont langsamem Sprechduktus und sehr spärlichen Handlungen auf der kleinen quadratischen Bühne das Publikum in die Gedankenwelt des Fischers mitzunehmen.
So manche Aktion wie das minutenlange Rascheln mit einer Tüte oder das langsame Einschenken heißen Wassers in eine Tasse Tee ließen die Zuschauer allerdings eher ratlos ob seiner Bedeutung für die Geschichte zurück, auch die – wie im Original – gestammelten Laute „a a da da a a a da a und a u so a e a e a“, die das nicht Erzählbare während der Geburtsszene ausdrücken sollen, wirkten eher verstörend als anrührend.
Wirmer ließ den Fischer Johannes sich an seine kleine Familie, an seinen Freund Peter, an Landschaften erinnern. Nachdenklich stimmte der Satz: „Es ist schon schlimm, alt zu sein.“ Berührend, wie Signe, seine Tochter, sich auf der Beerdigung von ihm mit den Worten verabschiedet: „Mein lieber Johannes, Vater, ein ganz Eigener bist du gewesen, aber lieb und gut, und du hast es nicht leicht gehabt…“ Das berührte, das machte was mit dem Zuschauer.
„Morgen und Abend“, allein schon der Titel ist ein schöner Vergleich, denn es geht um den ersten und den letzten Tag im Leben.
Die Ankunft, das symbolisiert das Leben, der Morgen, und das Fortgehen, das „wieder dahin Zurückgehen, wo er hergekommen ist …“ das Sterben, den Abend. Grandios, wie Wirmer das Fortgehen gestaltet: Er öffnet eine Tür, sieht blaues Licht und schreitet hinein ins Licht. Morgen und Abend. elk