Von mystischer Erfahrung und seelischer Erhebung

von Redaktion

Markus Bellheim spielt bei einem Klavierrecital in der Villa Sawallisch Werke von Messiaen und Bach

Grassau – Zwei Klavierzyklen von immenser Tragweite und Bedeutung stellte Professor Markus Bellheim beim Klavierrecital in der Villa Sawallisch einander gegenüber. Und soviel vorab: Bellheims Spiel entfaltete visionäre und klingend meditative Kraft. Auszüge aus Olivier s „Vingt regards sur l’enfant-Jésus“ und Johann Sebastian Bachs Goldberg-Variationen, BWV 988, standen auf dem Programm.

Die Ansage „reichhaltig, farbig, prismenartig“ von Andreas Hérm Baumgartner, Vorstandsvorsitzender der Sawallisch-Stiftung, entfaltete ihre Wirkung. Messiaen verlieh seinem Glauben mit reichhaltigem, dicht gewebten Klangvokabular unmittelbaren, visionären Ausdruck. Bach titulierte sein Werk schlicht als „Clavier-Übung“ – er, Baumgartner, halte es für „einen Bauplan göttlicher Ordnung“.

Bei einem Gespräch auf der Bühne hielten Bellheim und Baumgartner fest, dass – trotz der Spanne von zwei Jahrhunderten – den beiden Kompositionen eine unvergleichliche Mystik und Gottesschauung innewohne. Auch die Zahlensymbolik spiele eine große Rolle. Bei Messiaen sind es 20 Betrachtungen, bei Bach 30 Variationen, die sich kanonartig in Gruppen zu je drei Variationen gliedern, beschlossen von einem Quodlibet.

Dass Messiaen Synästhetiker war, also Farben hören konnte, ist bekannt. Ob Bach ebenfalls Synästhetiker war, weiß man nicht. Seine Kompostionen mit ihren barocken Farben jedenfalls entsprechen Charakteren, empfanden die beiden auf der Bühne.

Und das Publikum durfte sich davon ein Bild machen. Der Klavierabend sprach im wahrsten Sinne des Wortes alle Sinne an. Bellheim gab aus den 20 Betrachtungen Messiaens das XI. Stück „Première communion de la Vierge“ (Erste Kommunion der Jungfrau) und das XV. „Le baiser de l’Enfant-Jésus („Der Kuss des Jesuskindes“). Bellheim verblüffte hier mit enormer technischer Virtuosität, vorbildlicher Anschlagskultur und rhythmischer Akkuratesse. Wilde, atonale Akkordkaskaden und süßestes Dur verschmolzen zu einer überzeugenden Einheit, den „Kuss des Jesuskinds“ gestaltete Bellheim als innerlich mystischen Höhepunkt.

Ganz anders dann die Goldberg-Variationen: Bellheim filtrierte hier grandios die Essenz von Bachs Klangsprache heraus. Ein strenges Konstrukt, und doch hob er mit feinem Anschlag aus den perlenden Läufen und Figuren wechselnde Muster hervor, machte feingliedrige, barocke Strukturen hörbar und spielte mit Licht- und Schattenstärken, als wäre es das Leichteste von der Welt. Jede Wiederholung wurde so zum neuen Erlebnis und Abbild kostbarsten Klavierspiels. Eine geradezu körperliche Wirkung: Das wirkte meditativ, das war beglückend.

Elisabeth Kirchner

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