von Redaktion

Kunstlieder und Klavierstücke aus Klassik und Romantik im Schlosssaal von Neubeuern

Neubeuern – Sie war die Frau des berühmten Geigers Joseph Joachim und eine Freundin von Johannes Brahms, der ihr nach ihrer Scheidung beigestanden hat: die Sängerin Amalia Joachim. Neben zwei Solostücken für Klavier von Clara Schumann und Chopin stand auf dem Programm des hochkarätigen Liederabends im Schlosssaal von Neubeuern eine bunte Mischung von Kunstliedern mit Werken aus Klassik und Romantik, die Amalia Joachim selber gesungen hat. Sängerin des Abends war die Mezzosopranistin Anna Lucia Richter. Begleitet wurden die Lieder von Herbert Schuch am Klavier.

Voll leiser
Wehmut

Zart, hell und voller leiser Wehmut sang Anna Lucia Richter zu Beginn von Louise Reichardt das Lied „Hoffnung“, innig und ausdrucksvoll „Durch die wolkige Maiennacht“ op. 97 von Max Bruch. Selten aufgeführt werden die Lieder von Robert Franz, deren melancholischen Charme die Sängerin mit schlanker, glockenreiner Stimme zu Gehör brachte.

Pianist Herbert Schuch veredelte den Abend mit einem sanften, träumerischen Notturno und einer rhythmisch-kraftvollen Mazurka von Clara Schumann. Beide poetischen Stücke spielte der Pianist mit hingebungsvoller Einfühlung – mal behutsam tastend mit weichem Anschlag, dann in der Mazurka dynamisch und mitreißend. Schubert hat das deutsche Lied zu einer berückenden Kunstform gemacht. Das Lied „Gretchen am Spinnrad“ offenbart die Sehnsucht Gretchens nach dem Geliebten, die Anna Lucia Richter erst verhalten und leise, dann mit fesselnder Leidenschaft in Töne setzte. Ergreifend war die vom Klavier gespielte, sich immer wiederholende monotone Drehbewegung des Spinnrades. Innig und gefühlvoll erklang das „Wiegenlied“, das Schuch mit zarten Glockenklängen begleitete, hellen Zauber kennzeichnete schließlich das Lied „Der Wanderer an den Mond“.

Anna Lucia Richter präsentierte die Lieder stets mit stimmiger Gestik und lächelndem Charme. Die vier Lieder von Gustav Mahler, darunter das dramatisch zerklüftete Lied „Das irdische Leben“ und das elegische „Urlicht“, bannten das Publikum. Nicht immer aber war der Text im Dialekt leicht zu verstehen, obgleich ihn die Sängerin klar und deutlich vortrug.

Im b-Moll Scherzo Nr. 2 op. 31 brachte Herbert Schuch meisterhaft den überströmenden, romantisch poetischen Klangkosmos Chopins zum Ausdruck. Das Scherzo mit seinem ersten Sotto-Voce-Motiv ist eine der pianistisch glänzendsten Kompositionen Chopins. Unter die Haut gingen die von Schuch feurig drängend gespielten Akkordfolgen der Stretta.

Der Traum von
der ewigen Liebe

Beschlossen wurde der Abend mit Liedern von Johannes Brahms. Ruhig vorbei floss der „Sommerabend“, traurig und düster wirkte das Lied „Feldeinsamkeit“. Anna Lucia Richter zeigte in allen Liedern erneut ihr überragendes gesangliches Können. Schuch schien sein Klavier immer wieder zu streicheln und zu liebkosen, so zart und anmutig füllten die Töne den Saal.

Den Traum von der ewigen Liebe sang die Mezzosopranistin derart emphatisch, dass das Publikum am Ende mit rhythmischem Beifall applaudierte, für den sich Richter und Schuch wiederum mit dem leuchtenden, leise verklingenden „Abendrot“ von Franz Schubert bedankten.

Heller poetischer Zauber

Artikel 1 von 11