Dramatischer Dialog zwischen zwei Klavieren

von Redaktion

Olga Hahn und Christoph Declara mit reizvollem Programm im historischen Wasserburger Rathaussaal

Wasserburg – Ein Klavier allein kann schon eine veritable Klangfülle entwickeln, zwei Klaviere klingen geradezu symphonisch. Eine relativ kleine Zuhörerschar erlebte im Rathaussaal ein überaus reizvolles Konzert mit zwei Klavieren, genauer gesagt, zwei Bösendorfer-Flügeln, denen Olga Hahn und Christoph Declara warm-füllige Klänge entlockten. Ihr deutsch-russisches Programm bestand aus romantischer Musik in Überfülle, von Robert Schumann, Johannes Brahms und Sergej Rachmaninoff.

Schumann hatte sein Andante mit Variationen op. 46 ursprünglich für die ungewöhnliche Besetzung mit zwei Klavieren, zwei Celli und ein Horn konzipiert, auf Anraten von Felix Mendelssohn Bartholdy aber reduziert auf zwei Klaviere. Declara hat nun die gekürzten Teile wieder eingefügt und für zwei Klaviere eingerichtet. Er und Olga Hahn spielten sich die Motive freudig zu und weiter, gestalteten so einen dramatischen Dialog an zwei Klavieren, überströmend von Melodien und reichhaltig im Klang. Jeder Variation verliehen sie eine eigene Charakteristik, mal energisch-motorisch und dann mollverschattet, mal fast ersterbend und dann wieder quicklebendig sprudelnd, mal gewichtig auftrumpfend und dann wieder tänzerisch heiter: Sie schütteten ein Füllhorn von blühender Melodik aus.

Johannes Brahms hatte sich ja lange gescheut, eine Symphonie zu schreiben, weil er den Schatten Beethoven fürchtete. Deshalb übte er vorher, unter anderem mit den „Variationen über ein Thema von Haydn“, die er später auch in eine Fassung für zwei Klaviere umschrieb. Schon das Thema spielten Hahn/Declara dynamisch fein abgetönt, heiter und feierlich-volltönend zugleich und formten dann jede Variation in ihrer jeweiligen instrumentalen Klangstruktur. So ließen sie in der ersten Variation deutlich glockenhaft den Ton B durchklingen, hoben den wiederholten erregten Orchester-„Anruf“ in der zweiten Variation hervor, umspielten melodiös in der dritten Variation das Thema, ließen in der fünften Variation hören, wie eigentlich die Holzbläser Toccaten-haft kichern und in der sechsten Variation die Hörner machtvoll-markant stoßen, bis hin zum Passacaglia-Schluss in festlichem Brausen: eine Lehrstunde in farbiger Klangentfaltung und durchsichtiger Klangarchitektur.

Nach der Pause ging’s mit Rachmaninoff und seinen zwei Suiten weiter. Zur „Barcarolle“ aus Suite Nr. 1 zitierte Olga Hahn das Gedicht von Michail Lermontow, das für diese Gondelfahrt literarisch Pate stand. Wenn die Melodien sich an den Klavieren überschlugen, ergab sich das Gefühl von leisem Wellenschlagen, übereinander stürzenden Wellen und Mondscheingeglitzer. Die Suite Nr. 2 verlangt höchste Virtuosität, die die beiden Solisten geradezu vergnügt handhabten, und besteht aus vier Tanzsätzen: Sie beginnt mit einem Marsch samt Fanfarenstößen, geht dann in einen wild wirbelnden Walzer über, in dem eine Melodie im 3/2-Takt den schnellen Dreiviertel-Takt überlagert, die schwärmerische Romanze endet in entschwebenden Trillern, die virtuos aufsprühende Tarantella bildet den Abschluss: ein würdiges hochtemperamentvolles Konzertende, das aber noch nicht das Ende war: Das sehr animierte Publikum erklatschte sich noch zwei Zugaben, nochmals von Rachmaninoff: seine spritzig-amüsante „Polka italienne“ und den Walzer aus Tschaikowskys Ballett „Dornröschen“ in einer Bearbeitung durch Rachmaninoff.

RAINER W. JANKA

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