Wege durch die Kunstlandschaft

von Redaktion

Bei den „Tagen des offenen Ateliers“ laden Kunstschaffende zum persönlichen Gespräch in ihren Räumen

Rosenheim – Schon zum 15. Mal hatten Kunstinteressierte die Möglichkeit, namhafte Künstler aus Stadt und Landkreis Rosenheim in deren Arbeitsumgebung kennenzulernen – mit einem Blick ins Atelier. In ungezwungener Atmosphäre und bei freiem Eintritt kommt man ins Gespräch und gewinnt Einblicke in künstlerisches Schaffen. Große und kleine Ateliers und auch solche in Privathäusern waren bei den von der Stadtgalerie Rosenheim initiierten „Tagen des offenen Ateliers“ zugänglich, potenziell 25 „Kunst-Stationen“ konnte man auf fünf Tourvorschlägen dabei erkunden.

Im Gebäude der Kunstschule „Cuna del Arte“ bei Thansau hat der Rosenheimer Fotograf Martin Weiand seine Räume. Im Erdgeschoss zeigt er eine Auswahl seines Schaffens, das Spektrum erstreckt sich von Natur über Architektur bis zu Menschen in ihrer Umgebung. In die Luft geworfener Sand, Wasser und Wellen – Weiand befasst sich mit den Elementen. Verblüffend sind Aufnahmen von Strandabschnitten in Venedig: Hier ein „deutscher“, streng segmentierter Strand, hundert Meter daneben ein „italienischer“, mit freiem aufgebautem Strandzubehör. Ein grandioses Bild zeigt Menschen vom Eiffelturm aus mit ihren Schattenwürfen.

In Ecking am Simssee findet man am Radweg „von Baum zu Baum“ das Atelier von Stefania Peter, das auch als Architekturbüro ihres Mannes dient. Sie malt und zeichnet, eine Serie zeigt das Verhältnis von Natur und Technik am Beispiel Wasserkraft. Stauwehre, Wildbäche und Kraftwerksanlagen aus der näheren Umgebung gibt es zu sehen, wie an der Mangfall, der Isar und der Schwarzache oberhalb von Bergen. Die Künstlerin kennt sich aus mit diesen Verbauungen, das Gespräch macht Spaß.

Ein paar Meter weiter arbeitet der studierte Bildhauer Peter Pohl. In seinem Garagen-Atelier wimmelt es von seltsamen aufgeschäumten Gebilden und von großformatigen Spinnen und Heuschrecken, eines seiner Markenzeichen sind ja die Insekten. Er arbeitet mit Gießharz, Holz, Gusszement und Marmor, fertigt aber auch Zeichnungen und Skizzenbücher an.

Vom CD-Player kommen Texte von Künstlerin Rebecca Seitz, die die Wochenendaktion zusammen mit Stephanie Müller und Klaus Erika Dietl mit einer Performance in der Galerie eingeleitet hatte. Peter Pohl ist noch bei der Künstlergruppe „Pink Paradise“ beteiligt, deren nächste Aktion ist fürs Frühjahr in Prien angekündigt.

Nächste Station ist Rott. Dort in einer verwunschenen Villa lebt und arbeitet Bildhauerin Leonie Felle mit ihrem Mann Hagen. Beide spielen in der Band „Leonie singt“. Ein Raum gehört der Musik, ein anderer der Kunst. Felle arbeitet gerne mit Bestandteilen von Uhren, diese gehören zu einer neuen Installation mit dem Titel „Berge“, die Bilder hängen hinter einem Vorhang, den die Künstlerin öffnet. Abends gibt’s im Atelier noch ein Konzert von „Café Gertrud“, Sänger Josef Hamberger ist ebenfalls Skulpteur und beteiligt bei der „Offenes Atelier“-Aktion.

Wieder in Rosenheim, geht es zu einem geräumigen Gemeinschaftsatelier in der Von-der-Tann-Straße. Der mit großen Fenstern ausgestattete helle Raum atmet so richtig Kunstschaffen – Staffeleien stehen plakativ auf der Fläche. Bunte, knallige Farben und Werkstattatmosphäre machen Lust auf Malerei und mehr. Die fünf Künstlerinnen (Andrea Eykman, Claudia Fabritius-Lodes, Angela Sans, Brigitte Bosshammer und Annette Krischer-Bacher) nennen sich nach der vorherigen Adresse noch „Ateliergemeinschaft Kunstmühle“, sind aber schon zehn Jahre hier – Zeit für eine Umbenennung. Als Nächste des Quintetts stellt Angela Sans aus, in der Wirtschaftsschule Kalscheuer in Traunstein ab 31. Oktober.

Unterm Strich gab es bei der Tour viele gute Gespräche mit freundlichen Kunstschaffenden, von „elitär“ keine Spur. Andreas Friedrich

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