Große Oper als Kurzurlaub für die Seele

von Redaktion

Das Immling Festival hält Rückschau und freut sich auf 30-jähriges Jubiläum

Halfing – Musikliebhaber und Opernfreunde fühlen sich von diesem Ort der Musik wie magisch angezogen: Das Immling-Festival hat sich in den vergangenen 30 Jahren zu einer der ersten Adressen zwischen München und Salzburg etabliert. Was auf diesem klingenden und singenden Hügel inmitten der malerischen Natur des Chiemgaus zu erleben ist, ließe sich als Kurzurlaub für die Seele beschreiben. An die 20.000 Besucher von nah und fern genossen im vergangenen Festivalsommer großes Musiktheater und hochkarätige Konzerte – auch eine ausverkaufte musikalische Lesung mit Elke Heidenreich begeisterte die Besucher. Damit Oper tatsächlich für alle zugänglich ist, finden Schulvorstellungen wie auch Vorstellungen für Menschen mit Behinderung statt.

„30 Jahre Immling Festival“ heißt es im kommenden Jahr. Unter diesem Motto wird das Festival Rückschau auf eine ereignisreiche Zeit des kreativen Wirkens und miteinander Wachsens halten: Unzählige Musiker und Künstler aller Nationen teilten mit ihrem Publikum große Gefühle und jubelnde Erfolge, aber auch dunkle Tage während der Pandemie, in denen kaum absehbar war, wie es für Kulturschaffende weitergehen soll. „Wir haben endlich wieder die Besucherzahlen wie vor Corona. Noch dazu konnten wir durch unsere Akademie junges Publikum akquirieren und unserem Anspruch der Nachwuchsförderung voll gerecht werden.“, bilanzierte Intendant Ludwig Baumann rückblickend des Festival 2025.

„Kinder und Jugendliche, die wir heute in Gesang, Schauspiel und Tanz fördern, könnten die Stars von morgen sein.“ Und tatsächlich war das Immling-Festival für viele aufstrebende Talente unterschiedlichster Nationen ein Sprungbrett in die oberste Liga der Opernwelt.

Was machte die zurückliegende Spielzeit aus? Unter dem Motto „Musik zwischen Macht und Moral“ zeigte sich das Festival politisch und sozialkritisch. Es kamen drei große Opern zur Aufführung: „La forza del destino“ von Giuseppe Verdi, „Carmen“ von George Bizet und „Manon Lescaut“ von Giacomo Puccini. Das theatrale Tête-à-tête mit drei starken Frauenfiguren und ihren ganz unterschiedlichen Schicksalen und persönlichen Dramen, bewies, dass Oper, die derartig „aufbereitet“ wird, alles andere als von gestern ist.

Carmen zeigte in Immling ganz neue Facetten – Ini Gerath inszenierte die Titelheldin nicht als Opfer, sondern als eine willensstarke Frau. Dass sie den Mut hat, kompromisslos ihren Weg zu gehen, kommt sie teuer zu stehen: Am traurigen Ende fällt sie einem Femizid zum Opfer. „Manon Lescaut“ aus Puccinis gleichnamiger Oper in Ludwig Baumanns Inszenierung entfesselte tiefe Emotion. Dafür verantwortlich war, nebst Meister Puccinis umwerfender Musik, eine Besetzung der Hauptpartien, die glücklicher kaum hätte sein können: Das Traum(opern)paar Maria Natale und Vasyl Solodkyy entzündete ein Feuer der Begeisterung. Dass Verena von Kerssenbrock eine hervorragende Regisseurin ist, bewies sie einmal mehr in Verdis „La Forza del destino“. Mit kreativem Geschick und ihrer Gabe, Musiktheaterkunst mit wirkstarken Mitteln neu zu definieren, ohne dabei mit dem Geiste des Erfinders zu brechen, führte sie Verdis Oper von der Düsternis ins Licht. Musikalische Leiterin des Festivals, Cornelia von Kerssenbrock, lobt, neben den hervorragenden Leistungen aller Solisten, besonders „ihre“ immer zuverlässigen Musikerinnen und Musiker in Festivalchor und -Orchester: Als pulsierendes Herz der vielen Aufführungen erwies sich der Chor, über seine stimmliche Wucht hinaus, als schauspiel- und tanzbegabt und das Orchester, besonders in Gustav Mahlers 1. Sinfonie mit vielen internationalen Solisten, als ausdrucksstarker Klangkörper. Und was kommt 2026? Im Jubiläumsjahr gibt es vier Opern zu erleben – „Tosca“ von Giacomo Puccini, „Lucia di Lammermoor“ von Gaetano Donizetti, „Un ballo in maschera“ von Giuseppe Verdi und Mozarts „Die Zauberflöte“. Cornelia von Kerssenbrock erfüllt sich mit Verdis „Messa da Requiem“ ein Herzensprojekt und die jungen Wilden der Akademie freuen sich auf das Kultmusical „Cats“ von Andrew Lloyd Webber.

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