Bildhauerei und Engagement für Kultur

von Redaktion

Porträt Christian Heß ist der aktuelle Kulturpreisträger des Landkreises Rosenheim

Söchtenau/Rosenheim – Feine Linien, Skulpturen und Performances kennzeichnen die künstlerische Tätigkeit von Christian Heß – er ist der aktuelle Kulturpreisträger des Landkreises Rosenheim. Anfang Dezember fand in Marias Kino in Bad Endorf die Preisverleihung statt. Anke Hellmann als Kulturreferentin des Landkreises hielt die Laudation und betonte die Verbindung von künstlerischer Leidenschaft und gesellschaftlicher Verantwortung bei dem 1973 in Nürnberg geborenen und in Ullerting lebenden studierten Bildhauer.

Holzbildhauer
und Uni-Assistent

Nach Schule und Zivildienst absolvierte Heß zunächst eine Ausbildung an der Berufsfachschule für Holzbildhauer in Bischofsheim und schloss daran ein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Professor Prangenberg an. Er arbeitete mehrere Jahre als Assistent am Lehrstuhl für Bildende Kunst der Fakultät Architektur der Technischen Universität (TU) München und ansonsten freiberuflich. „Schule trifft Kunst“ war ein Projekt mit Schulen im gesamten südbayerischen Raum, in dem man mit Künstlern kunstschaffend zusammenkam.

Auf der Landesgartenschau in Rosenheim und anderswo erregte Heß mit einer schwimmenden hölzernen Tonne Aufsehen, mit der er selbst „wasserwandernd“ auf Gewässern unterwegs war. Er zog so manches Objekt über Radwege hinter sich her, malte und zeichnete an einem Stand in Innenstädten. Oder er baute mit dem Künstlerkollektiv „Pink Paradise“ ein rosa-farbenes Ufo und stellte dies mit seinen Kollegen an das Ufer des Schlosssees bei Schloss Hartmannsberg, auf den Max-Josef-Platz in Rosenheim oder mitten hinein in Wasserburg.

Doch Heß ist nicht nur selbst Künstler, er engagiert sich auch ehrenamtlich seit Langem für den Kunstbetrieb in der Region. Da leiht er schon mal die Kaffeemaschine aus Marias Kino – Engagement eins – für das Kunstfrühstück des Rosenheimer Kunstvereins aus, wo er inzwischen als Zweiter Vorsitzender tätig ist. Eine weitere „Baustelle“ von Heß ist die Galerie Bruckmühl, wo er sich im künstlerischen Beirat um Auswahl und Programm kümmert.

Bahnreisende und Radler können zudem ein echtes Großformat von Heß am Rosenheimer Bahnhof bewundern: Dort hat er quasi im Alleingang (zweiter Preis des Wettbewerbs zur Gestaltung des Südtiroler Platzes) das Fahrradparkhaus über viele Monate hinweg bemalt, unter Verwendung von weniger Farbe als gedacht, dafür mit einigen Kilometern Abdeckbändern und Klebestreifen.

Mit „Kunst am Bau“ kennt sich Christian Heß aus und sieht in diesem Bereich „viel Luft nach oben“ in Stadt und Landkreis Rosenheim. So gebe es hier vielerlei Zuschussmöglichkeiten, die Kommunen müssten so gut wie nichts selbst finanzieren, man müsse sich seitens der Verwaltung einfach mal um das Thema kümmern. Auch das Projekt „Schule trifft Kunst“ sei leider inzwischen eingeschlafen. Hier fehle es trotz der Finanzierungsbereitschaft, beispielsweise durch die Sparkassenstiftung, einfach an Arbeitskapazität für die nötige Organisation und Koordinierung.

Viele Engagements, originelle Kunstwerke – so ist der Preis für Christian Heß auch als Anerkennung für eine künstlerisch und gesellschaftlich orientierte Lebensweise zu verstehen.

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