Gelungene Hommage an Joe Haider

von Redaktion

Das „Samerberger Jazzensemble“ konzertiert im Saal der Rosenheimer Musikschule als Big Band

Rosenheim – Zum inzwischen sage und schreibe 90. Auftritt nach 24 Jahren des Bestehens traten die sonst meist als Quartett oder Quintett agierenden „Samerberger“ rund um Schlagzeuger Michael Keul jüngst als Big Band auf. Anlass des Konzerts rund um die „90“ war der 90. Geburtstag des Pianisten, Bandleaders und Komponisten Joe Haider, der mehrere Jahrzehnte die Münchner Jazzszene geprägt hatte und der selber Anfang 2026 im Jazzclub „Unterfahrt“ seinen Geburtstag auf der Bühne feiert – um gleich danach 14 Tage auf Tour zu gehen, rollatorgestützt, aber enorm zäh.

Christof Hörmann, Saxofonist aus der Pfaffenhofener Jazzszene, hatte die Idee zu einer Big Band, die die Kompositionen Haiders auf die Bühne bringt, und Michael Keul griff diese Anregung freudig auf, sodass nach einem Auftritt in Pfaffenhofen jetzt der in Rosenheim folgte. Der Saal der Musikschule im Künstlerhof am Ludwigsplatz war voll besetzt, die Werbung über das diesmal zu kleine „Le Pirate“ hatte ganz offensichtlich funktioniert.

Die Rhythmussektion, bestehend aus Keul am Schlagzeug, Ernst Techel am Bass und Heinz Frommeyer am Piano wurde verstärkt durch einen „dreimaldrei“ Bläsersatz mit je drei Akteuren an Trompete, Posaune und Saxofon. Auf dem Programm standen Stücke und Arrangements von Haider und dessen „Co“ Slide Hampton, wunderbare BigBand-Stücke zwischen Kraft und Lyrik.

Los ging’s mit „Like a Blues“, quirlig im Up-Tempo und mit knackigen Soli von Julian Hesse (Trompete), Till Martin (Saxofon) und Elia Reiser (Posaune). Darauf folgte mit mächtigen, überfallähnlichen Bläsereinsätzen der „Waltz for my lady“, mit spannungserzeugenden, eleganten Passagen wie in einem Detektivfilm Marke Hollywood, dann wieder mit voller Power.

Zwischen der Rhythmusgruppe und den Bläsern entstand immer wieder eine besondere Dynamik, die sich als Motto durch den Abend zog und auf deren Basis stets neue Soli entsprangen.

Laut Moderator Keul, der einige Anekdoten zum Besten gab, hat Haider nicht nur einen Walzer für eine Ehefrau komponiert, sondern auch jeweils einen weiteren für insgesamt vier Gattinnen. Eine Uraufführung folgte, denn die Noten für „After a long time“ hatte Keul als Mitarbeiter des Jazz-Zweigs der Münchner Musik-Universität aus dem dortigen Archiv geborgen. Die „Quiet Night“ wusste zu überzeugen, in Haiders Big Band spielten damals Weltstars wie Dexter Gordon oder Ack van Rooyen.

In „Grandfather’s garden“, einer poetischen Komposition, zauberte Hörmann mit der Flöte, während Jungtalent Elia Reiser dem Dizzy-Gillespie-Stück „Con Alma“ mit seiner Posaune seinen Stempel aufdrückte. Zwischendurch durfte das Publikum angesichts geschmackloser Plattencover den Kopf schütteln, Haider hat wohl ein unterirdisches Gespür für Optik – im Gegensatz zu seinen wunderbaren Fähigkeiten als Komponist.

Dann wundervolle Momente von Reinhard Greiner am Flügelhorn in „Time for love“, gefolgt von einem Posaunensolo Christian Landsiedels, einem früheren Studenten von Keul. Ein besonderes Schmankerl gab es noch im Abschlussstück „The way“, als sich die drei Saxofonisten zum „Dreiergespräch“ trafen, und in der Zugabe fragte man sich noch „What is happening?“, bevor die Musiker zur Session ins benachbarte „Le Pirate“ weiterzogen.

War der Big-Band-Auftritt vielleicht eine Generalprobe für Nachfolgekonzerte? Der Publikumszuspruch bei ausverkauftem Saal jedenfalls war ein gewisses Zeichen – und die Spielfreude der gut aufgelegten Musiker ebenfalls. Das Potenzial ist zumindest vorhanden.

Andreas Friedrich

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