Der Mensch im Mittelpunkt des künstlerischen Schaffens

von Redaktion

Magdalena Engels und Regina Marmaglio erhalten den erstmals vergebenen Christine-Dobler-Kunstpreis

Prien – Magdalena Engels aus Prien und Regina Marmaglio aus Neubeuern haben im Rahmen der Ausstellung „Künstlerlandschaft Chiemsee“ in der Galerie im Alten Rathaus den erstmals vergebenen Christine-Dobler-Chiemgau-Kunstpreis erhalten.

Die Preisverleihung fand in der Studio-Ausstellung „Pink Paradise“ mit zahlreichen Künstlern und Besuchern statt. Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Andreas Friedrich sprach Georg Klampfleuthner, Vorsitzender des Kulturfördervereins Prien. Er freute sich, dass der heuer erstmals vergebene Preis auch in den kommenden Jahresausstellungen in Prien ausgelobt werden wird. Hans-Peter Spiegl, Vorsitzender der Martin-Gröbner-Stiftung, übergab den mit 1.500 Euro dotieren Preis, der je zur Hälfte geteilt wurde, an die Künstlerin Magdalena Engels aus Prien für ihr Lebenswerk und an die Bildhauerin Regina Marmaglio aus Neubeuern für ihre starke Bindung zur Bildnerei mit dem Material Holz und der unverkennbaren stilistischen Darstellung, von Menschen und Natur.

Inge Fricke gab einen kurzen Einblick und Überblick über das langjährige Kunstschaffen von Magdalena Engels und das Arbeiten und künstlerische Schaffen von Regina Marmaglio.

Im Schaffen der beiden Künstlerinnen steht thematisch vielfach der Mensch im Mittelpunkt, sein Bildnis oder seine Gestalt. Die 99 Jahre alte Malerin Magdalena Engels wurde 1926 geboren und wuchs am Ammersee auf. Seit 1982 lebt und arbeitet sie in Prien. Sie studierte Kunst in München und bevorzugt überwiegend die Malerei in Öl.

Der Blick zurück zeigt die Kontinuität und Konsequenz in der Entwicklung des Kunstschaffens von Magdalena Engels. Ihren Menschendarstellungen liegt eine außerordentliche Menschenkenntnis zugrunde. Sie kennt nicht nur genauestens Anatomie und Psyche, sondern vermag auch in Haltung, Gebärde genau den für den Sinn der Darstellung richtigen Ausdruck zu treffen. In ihren Porträts und Figuren geht es um die körperlichen Besonderheiten des Einzelnen, um Zusammenhänge, um seelischen Ausdruck, aber auch um Charakterisierung besonderer Stofflichkeit.

Ihre in der Ausstellung gezeigten Exponate demonstrieren eine eindringliche Kraft, formaler Verknappung und äußerster Reduktion. Aus unterschiedlichsten, meist mit breitem Pinsel aufgetragenen Farbindividualitäten erwachsen Klänge von äußerster Feinheit und Formbezüge von hohem Abstrahierungsgrad. Es sind dabei „Bilder in den Bildern“, die dem Betrachter erst sichtbar werden, wenn er sich damit intensiv visuell beschäftigt.

Regina Marmaglio ist gebürtige Rosenheimerin und erhielt ihre Ausbildung in der Berufsfachschule für Holzbildhauerei in Berchtesgaden. Seit ihrem Abschluss lebt und arbeitet sie in Neubeuern als freiberufliche Bildhauerin. Marmaglio wichtigstes Arbeitsmaterial ist Holz. Sie arbeitet gegenständlich in Skulpturen und Reliefs. Der Mensch steht dabei im Mittelpunkt ihrer Werke. Ihre meistens kleinen, beinahe „liliputhaften“ gehauenen und farbig bemalten Holzfiguren sind charakteristisch für ihr Kunstschaffen. Vielfach sind die Figuren so aus dem Holz herausgearbeitet, dass Figur und Sockel verbunden bleiben. Betrachtungen und Beobachtungen im Alltag und in ihrem Alltag, wie Kleidung und Haltung der Menschen fließen in ihre Arbeiten mit ein. Dabei vermeidet sie Details, indem sie nur in äußerster Reduktion und mit wenigen Farben zu dem für sie gültigen Ausdruck der Darstellung findet. Marmaglios Arbeiten verblüffen durch ihre handwerkliche Akribie, ihre spürbare Energie und ihre faszinierende Wirkung die dem Betrachter neue Impulse verleiht.

Gabriele Morgenroth

Bis 25. Januar

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