Gars – Eine spektakuläre Neuauflage erfuhr das festliche Neujahrskonzert des Förderkreises Mathisorgel Au am Inn in diesem Jahr – dem Status eines Geheimtipps ist es jetzt entwachsen. In dem im weihnachtlichen Glanz erstrahlenden und voll besetzten Kirchenraum ließ sich ein kundig mitgehendes Publikum von festlichen Orgel- und Trompetenklängen aus Barock und neuerer Zeit in Bann ziehen. Die Solisten, der Solotrompeter der Münchner Philharmoniker, Guido Segers, und der junge Organist Johannes Berger, künstlerischer Leiter eines Barockorchesters und Cembalist, verstanden es erneut, ihre Virtuosität unter Beweis zu stellen und ihren Zuhörern eine Stunde trost- und hoffnungsvoller Musik zu schenken.
Mit Bedacht waren berühmte Werke der Barockkomponisten Georg Friedrich Händel, Johann Sebastian Bach, Giuseppe Tartini und John Stanley ausgewählt worden. Sie boten den Solisten eine hervorragende Gelegenheit, ihre Instrumente – Piccolo-, Es- und C-Trompete mit ihren strahlenden Höhen sowie die Mathisorgel mit ihrer exquisiten Intonation – zur Geltung zu bringen.
Bei Händels „Ankunft der Königin von Saba“, Tartinis Trompetenkonzert in D-Dur und Bachs „Arioso“ (BWV 156), aber auch in den jüngeren Werken wie Georges Delerues (1925 bis 1992) „Cantate für Trompete und Orgel“, Theodore Dubois‘ (1837 bis 1924) „Toccata“ und dem bekannten „Gammal fäbodpsalm“ des Schweden Oskar Lindberg (1887 bis 1955) ergänzten sich Segers und Berger im fein abgestimmten Zusammenspiel ihrer Instrumente.
Segers, einst Schüler des berühmten Maurice André, verstand es, mit seinen Instrumenten festliche Glanzlichter zu setzen, während Berger – besonders bei der „Toccata“ von Dubois – mit perlenden koloraturartigen Läufen brillierte. Überzeugen konnte schließlich auch das ausgewogene Programm sakraler Musik aus Barock und Moderne. Gerade jetzt, in einer Zeit unkalkulierbarer Entwicklungen und allgemeiner Verunsicherung kam die Auswahl dem Bedürfnis nach Sicherheit und Zuversicht entgegen, sinnfällig repräsentiert in dem bekannten Bach-Choral „Jesus bleibet meine Freude“, dargeboten von der Orgel im Mittelteil des Konzerts und fast zum Mitsummen anregend.
Das Besondere für das Publikum bei diesem Konzert: Es konnte die Aktionen der Solisten in Echtzeit auf einer Leinwand im Chorraum verfolgen – waren es nun die Einsätze Segers‘ auf wechselnden Instrumenten oder die agil-präzisen Aktionen Bergers an Manualen, Registern und am Pedal der Orgel: ein zeitgemäßes multimediales Angebot und ein Zugeständnis zugleich. Mit anhaltendem Applaus verdiente sich das Publikum eine Zugabe: ein „Cantabile‘ für Orgel und Trompete“ von Enrico Pasini (1935 bis 2022). Bruno Münch