Schaurige Faszination der Raunacht

von Redaktion

Die Band „Schariwari“ fesselt im Rosenheimer Kuko mit einem bayerischen „Mystical“

Rosenheim – In den Raunächten räucherte man früher Haus und Hof aus, um böse Geister zu vertreiben. Die Zeit zwischen Weihnachten und den „Heiligen Drei Königen“ nutzen viele, um auf das vergangene Jahr zurückzuschauen,aber auch für den Blick nach vorn.

Nicht nur gruselig,
sondern auch lustig

Unter den Raunächten versteht man die zwölf Nächte zwischen Weihnachten und dem 6. Januar. Dass es dabei nicht nur gruselig und schaurig zugehen muss, sondern auch recht lustig werden kann, zeigte die aus Kirchseeon stammende bayerische Rockband „Schariwari“ mit einem „Mystical“ rund um die Raunacht im Rosenheimer Kultur- und Kongress-Zentrum.

Die Band steht seit 1977 auf der Bühne, ist „Preisträger der Deutschen Phonoakademie“ und schon durch ihren Herkunftsort beeinflusst durch bayerisches Brauchtum. In Kirchseeon sitzt auch ein Perchtenverein, der das Brauchtum bewahrt, zudem kann man im dortigen „Maskeum“ traditionelle Perchtenmasken betrachten. Der Kirchseeoner Perchtenlauf ist seit 2022 übrigens „immaterielles Kulturerbe“ der UNESCO. Volkskundler stellen ein neues Interesse an dieser vermeintlich eingeschlafenen Tradition fest, der große Saal war entsprechend gut besucht.

Bräuche und Tradition
humorvoll dargeboten

Schon das Bühnenbild strahlte besondere mystische Atmosphäre aus, mit einer Trommel als Mond, Wurzelstöcken, Felsen und geheimnisvoller Beleuchtung. Zu Beginn der Aufführung noch im Dunklen sitzend, erschrak man durch das durchdringende Geschrei von herumhuschenden Geisterwesen – gruslig nicht nur für die Kinder im fast vollen Saal. Doch rasch ging es auf der Bühne in Richtung Comedy, und zwar mit dem humorigen Kontrast aus dem „Holzmandl“ (Ferdinand Dörfler) und dem „Zaubertroll“ aus dem Norden (Marisa Sedlmaier), wobei „bajuwarisch“ weniger auf „skandinavisch“ traf, vielmehr mehr auf „preußisch“. Nach einigen Dialekt- und „Preißn“-Witzen ließ der Troll das „Licht des Lebens“ aufleuchten, dem Holzmandl kam die Rolle des Erklärers und Geschichtenerzählers zu.

So lernte man beispielsweise, dass die Raunächte auch „Losnächte“ heißen, denn die Kräfte des Himmels und der Erde werden losgelassen. Eine Geschichte über Veronika und ihre vier „Hochzeiter“ mündete in ein magisches Ritual mit Pflanztöpfen, daraus wiederum entwickelte sich ein Rocksong der Band „Schariwari“ rund um Sänger und Gitarrist Günther Lohmeier, mitreißend gespielt.

Als Clou hatte die tanzende Hexe ihren grandiosen Auftritt mit einer geschmeidigen, akrobatischen Tanzperformance. Dahinter steckte die Profitänzerin und Choreografin Camilla Mos – als Kurzform für Moskaleva – die aus Usbekistan stammt, auch in Klavier und Gesang ausgebildet ist und auch modelt. Für die mitreißende Darbietung gab es Extra-Applaus, wie auch für die Arrangements der Musiknummern, bei denen die Band gerne Schmankerl wie Kuhglocken oder die mystisch wirkende Handtrommel einsetzte. Der Zaubertroll sorgte für Lacher mit einer beinah „gerappten“ Aufzählung bairischer Schimpfwörter, auf Wunsch des Holzmandls sogar noch alphabetisch. Viele Themen streifte das „Mystical“, es ging von Wotan und der „wilden Jagd“ zur „wilden Luzie“ und zu wichtigen Details wie dem Verzicht auf Salz in den Raunächten, damit sich die umherirrenden Seelen nicht ihre Augen damit verletzen sollten. Oder dass der Teufel beziehungsweise „Sparifankal“ nach Selbstverzauberung als Weißwurst im Magen eines Mädchens endete.

Klänge, Tanz
und Lichterspiele

Fantasievoll und spielerisch leicht zauberten Schariwari und die Mitwirkenden des „Mysticals“ mit einem Reigen aus Klängen, Tanz und Lichterspiel das schaurige Thema „Raunacht“ auf die Bühne. Mit dem Ohrwurm-Song „Macht der Fantasie“ und lang anhaltendem Applaus endete das hoch unterhaltsame Spektakel.

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