Wasserburg – Der Beginn des neuen Jahres gibt nicht nur Anlass zum Innehalten und Zurückschauen, sondern auch, um mit Zuversicht nach vorne zu blicken. Was könnte es dafür Schöneres geben als das traditionelle Neujahrskonzert im historischen Wasserburger Rathaussaal?
Die Bad Reichenhaller Philharmoniker unter ihrem Dirigenten Daniel Spaw begeisterten das Publikum mit einem schwungvoll-heiteren, walzerseligen Konzertprogramm. Einlasskontrolle, Tageskasse und Garderobe organisierte der gemeinnützige Wasserburger Kulturverein „Movinn forward“, der sich für Inklusion und Gleichberechtigung im Sport einsetzt. In seiner kurzen Begrüßung bezeichnete der Rosenheimer Landrat Otto Lederer die Bad Reichenhaller Philharmoniker als ein Bindeglied zwischen den Generationen, Kulturen und Herzen. Melodisch und klangsatt eröffneten die Philharmoniker das Konzert mit den „Bunten Gedanken im Walzertakt“ von Ernst Fischer, die im Publikum Feierlaune mit Wiener Kolorit verbreiteten.
Daniel Spaw dirigierte nicht nur präzise und elegant, sondern glänzte auch als unterhaltsamer Conférencier mit Witz und Charme. Dass Ingenieur Josef Strauss eigentlich gar nicht komponieren wollte, seinen ersten Walzer als „Der Erste und der Letzte“, den nächsten aber mit „Der Erste nach dem Letzten“ bezeichnet und dann noch über 500 Werke geschrieben hat, amüsierte das Publikum. In seinem Stück „Moulinet“, einer Polka francaise, hörte man das Mühlrad förmlich klappern.
Nach dem plötzlichen Ende von Heinrich Heines Gedicht über die Heiligen Drei Könige stellte Spaw fest, dass ein Gedicht einen großen Höhepunkt eigentlich nicht haben muss. Spaßig waren der „Winterflocken- Galopp“ von Benjamin Bilse und die „Weana Madln“ von Carl Ziehrer mit Flötensolo, Harfenklängen und fröhlichem Gepfeife des Orchesters. Der zweite poetische Versuch von Spaw mit einem sinnigen Gedicht von Wilhelm Busch erheiterte die Zuhörer.
Anmut und Zartheit verströmte der Pizzicato Walzer von Carl Millröcker, einen Vorgeschmack auf den Frühling erhielt das Publikum mit dem „Frühlingseinzugs-Marsch“ von Franz von Blon.
Nach einem spritzigen Champagner-Galopp samt ploppendem Korken spielten die Bad Reichenhaller Philharmoniker zum Schluss Franz von Suppés Ouvertüre „Dichter und Bauer“. Natürlich erklangen als Zugabe noch der obligatorische „Radetzky“ Marsch und die Tik-Tak-Polka von Johann Strauss, für die sich das Publikum mit stürmischem Beifall bedankte. Georg Füchtner