Bürger engagieren sich für Pflege und Erforschung der regionalen Volksmusik

von Redaktion

Offene Jahreshauptversammlung des Fördervereins Volksmusik Oberbayern am morgigen Sonntag in Bruckmühl

Bruckmühl – Am morgigen Sonntag findet die für alle Bürger offene Jahresversammlung des Fördervereins Volksmusik Oberbayern um 14 Uhr im Bürgersaal Bruckmühl statt. Bei diesem geselligen Nachmittag steht keine Neuwahl des Vorstandes an, die Regularien werden knapp gehalten. Kurzberichte informieren über die Aktivitäten und Planungen des Vereins zum Wohle der regionalen Volksmusik, wobei naturgemäß die Region Rosenheim eine zentrale Rolle spielt.

Schon ab den 1950er-Jahren gingen viele Impulse für die Volksmusikpflege in Oberbayern und darüber hinaus vom Landkreis und der Stadt Rosenheim aus: Man denke nur an Wastl Fanderl (1915 bis 1991) in Frasdorf, Annette Thoma (1886 bis 1974) in Riedering, Georg von Kaufmann (1907 bis 1972) in Giebing-Hittenkirchen, der mit seiner Volkstanzbewegung ab den 1960er-Jahren viele Tanzlmusiken anregte.

Das Bildungswerk Rosenheim hatte schon 1951 den Kiem Pauli (1882 bis 1960) zu Singtagen eingeladen, Rosl Brandmayer (1905 bis 2000) und Fritz Kernich (1907 bis 1986) führten die Volksliedpflege hier weiter. Man denke an die Stadtsingschule Kolbermoor, an die Volkstanzkreise Wasserburg und Rosenheim – und an die zahlreichen Volkslied- und Volksmusikgruppen, die viele Akzente setzten.

Wastl Fanderl regte zur Mitte der 1970er-Jahre auch junge Leute an, die Dokumente der Volksmusik aus früheren Generationen zu sammeln und die Gewährspersonen in den Orten zu befragen, damit dieses mündliche Wissen nicht verloren ging.

Seit Anfang der 1980er- Jahre haben sich immer mehr Volksmusikfreunde aus ganz Oberbayern in Bruckmühl zusammengetan, die persönlich, finanziell und ideell die Volksmusikpflege – verbunden mit der Sammlung von Materialien der regionalen Musiktradition – fördern wollten. Mit Gründung des Volksmusikarchivs des Bezirks Oberbayern 1984/1985, basierend auf den Sammlungen Fanderl, Horak und Schusser, unterstützten diese Bürger aller Schichten mit Rat und Tat diese neue bezirkliche Einrichtung, die anfangs in mehreren Räumlichkeiten in Bruckmühl und Umgebung untergebracht war. 1999/2000 hat die Marktgemeinde Bruckmühl das ehemalige Krankenhaus für das Volksmusikarchiv und die Volksmusikpflege des Bezirks zur Verfügung gestellt.

Viele Volksmusikfreunde aus Bruckmühl, der Region Rosenheim, aus ganz Oberbayern und darüber hinaus haben zu den Sammlungen beigetragen, beim Umbau und Umzug ehrenamtlich geholfen und somit wesentlich zur preisgünstigen und bürgernahen neuen Herberge „ihres“ Volksmusikarchiv am Krankenhausweg beigetragen. 2005 haben einige davon mit dem Vorsitzenden, dem Bruckmühler Altbürgermeister Franz Heinritzi, den „Förderverein für das Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern“ gegründet. Darunter waren auch viele Fachleute, die direkt bei der Archivarbeit und der Volksmusikpflege in wesentlichen Bereichen wie Feldforschung, Instrumentensammlung, Auswertung der gesammelten Handschriften, Notendrucke und Tonaufnahmen, Zeitungs- und Medienbeobachtung mitarbeiteten – und somit dem Bezirk viele Personalkosten ersparten. Auch der Versand der damaligen Zeitschrift „Informationen aus dem Volksmusikarchiv“ – bis zuletzt 2020 über 20.000 Exemplare – war ohne die Mitarbeit vieler helfender Hände nicht denkbar und wäre zu teuer geworden. Zudem trugen über 100 freiwillige Mitarbeiter die Ergebnisse der Volksmusikarbeit direkt hinaus ins Land und waren damit Botschafter und Kontaktpersonen zwischen Bezirk und Bevölkerung.

Die tiefgreifende behördliche Umstrukturierung der Volksmusikarbeit des Bezirks im Jahr 2020 und die grundlegenden Neuausrichtungen des bisherigen Volksmusikarchivs, verbunden mit der Umbenennung, machten auch Anpassungen beim Förderverein notwendig. Die Satzungsänderung und Umbenennung in „Förderverein Volksmusik Oberbayern“ wurde 2022 rechtskräftig. Natürlich pflegt der Förderverein auch weiterhin eine gute Partnerschaft mit dem Bezirks-Volksmusikpfleger, den Kreisvolksmusikpflegern, den Volksmusik- und Heimatvereinen und Volksmusikanten und Volksmusikfreunden in der Region.

Bei der öffentlichen Jahresversammlung am morgigen Sonntagnachmittag wird natürlich auch miteinander gesungen. Das Gitarrentrio „Irger-Kleinschwärzer-Prochazka“ aus dem Oberland wird aufspielen und der Dreigesang Wallner-Bruckner aus Salzburg und Berchtesgaden lässt Lieder und Jodler hören. Für das leibliche Wohl ist gesorgt. Die Besucher können kostenlos Bücher und Noten des ehemaligen Volksmusikarchivs mitnehmen, die der Förderverein zur Weitergabe erhalten hat. Ernst Schusser

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