Gotteslob und Jubelklang

von Redaktion

Silvesterkonzert in Aschau entzündet ein barockes musikalisches Feuerwerk

Aschau – Mit dem Silvesterkonzert in der Aschauer Pfarrkirche setzt der Heimat- und Geschichtsverein (HGV) Aschau alljährlich dem „alten“ Jahr die Krönung im positiven Sinne des Wortes auf. Organist Johannes Berger war – heuer übrigens zum 20. Mal – nicht nur Mitwirkender, sondern auch Impressario des barocken Konzertprogramms. Mit Matthew Sadler und Guido Segers hatte er zwei Trompetenspieler allererster Güte an seiner Seite.

Nicht minder ausdrucksstark und dennoch anschmiegsam begeisterte Adriaan Feyaerts an den Pauken. Sopranistin Marie-Sophie Pollak überzeugte mit stilsicherer Artikulation und Phrasierung, mit beeindruckender Präzision und Diktion, wobei alles in edler Leichtigkeit erschien. Atemberaubend, auch mit diesem Adjektiv darf man das Konzert umschreiben, denn die Werke, in denen mit Koloraturen und Zierrat Sopran, Trompeten, Orgel und Pauken wetteiferten, raubten dem mehr als zahlreich erschienenen Publikum den Atem.

Ein Zusammenkommen mit Freuden sollte das Konzert werden, hatte Thomas Bauer, Zweiter Vorsitzender des HGV, eingangs angekündigt und der Auftakt „Pastime with good company“ für Trompeten, Pauken und Orgel aus der Feder Heinrichs VIII. (1491 bis 1547) wurde dieser Ansage mehr als gerecht. Guido Segers ließ seine Trompete und das Herz der Zuhörer strahlen beim Trompetenkonzert in D-Dur von Giuseppe Tartini, bei dem sich virtuose Solopassagen mit kantabler Expressivität abwechselten, und das Johannes Berger an der Orgel sensibel begleitete. Genau wie im Arioso in F-Dur von Johann Sebastian Bach, bei dem Trompete und Orgel den Zuhörern die der Musik innewohnende tiefe Emotionalität und melodische Schönheit plastisch vor Augen führten. Das „Let the bright seraphim“ aus dem Oratorium Samson von Georg Friedrich Händel gestalteten Sopranistin Marie-Sophie Pollak, Trompeter Matthew Sadler und Organist Johannes Berger freudig, festlich, jubelnd. Das „Domine Deus“ von Antonio Vivaldi, dargeboten von Sopran und Orgel, war ehrfurchtsvolles und andächtiges Gebet. Das „Alleluja“ aus der Bravour-Arie „Exultate jubilate“ von Mozart bestach ob seiner atemberaubenden Natürlichkeit.

Marie-Sophie Pollak gelang es, die Koloraturen stets makellos und geschmeidig bis zum Ende auszusingen, freudvoll, leicht und anmutig, im hohen C gipfelnd. Lust und Wonne bereiteten da Sängerin und Organist dem ergriffen lauschenden Publikum, während das inniglich und atemberaubend natürlich vorgetragene „Eternal Source for Light Divine“ von Händel aus der „Ode for the Birthday of Queen Anne“ ob seiner Dynamik und Innerlichkeit, seiner vokalen Brillanz und saubersten Artikulation bei den Zuhörern für Gänsehautmomente sorgte.

Die Orgel hatte zwischendurch auch einen Solo-Auftritt: mit dem Präludium und der Fuge in D-Dur, BWV 532, von Bach. Mit viel Hingabe widmete sich Berger dem glorreichen Werk, das mit einem äußerst virtuosen Pedal-Auftritt und einer mitreißenden Fuge aufwartet. Dank der Kameraübertragung auf eine Leinwand im Altarraum (Kameraführung Tilo Baumer) wurde man der Orgelkunst auch optisch gewahr.

Zum Finale gab es noch Händels Wassermusik: spritzig, klar und technisch perfekt. Als Zugabe war der erste Satz aus der Bachschen Kantate „Jauchzet Gott in allen Landen“, BWV 51, zu hören. So barock beschwingt und jubelnd, so frei, ästhetisch und selbstbewusst, dass die Zuhörer berührt waren. Man war geneigt, die Kantate umzudichten: Jauchzet Gott in Aschau.

Elisabeth Kirchner

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